| Melanie Höhn |
| 18.09.2026 10:00 Uhr |
In einer weiteren Gesprächsrunde wurde das Thema Geschlechterungleichheit in der Medizin erörtert. Für Rania Abbas, Vorstandsreferentin und Public Affairs Managerin bei der Meierhofer AG und Leiterin der Projektgruppe »ePA für alle« im Bundesverband Gesundheits-IT, müsse das Ziel eine personalisierte und individualisierte Medizin sein, vor allem in Studien müssten Frauen mehr beachtet werden.
Meghan Lawrence von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland sprach ein strukturelles Problem an: Obwohl inzwischen mehr als die Hälfte der Medizinstudierenden weiblich sei, würden sich Forschung und Lehre oft noch am männlichen Standardpatienten orientieren. Die Studienlage zu vielen frauenspezifischen Fragestellungen sei noch nicht breit aufgestellt.
Moderatorin Paulina Kamm (PZ) und (v.l.) Rania Abbas (Meierhofer AG / bvitg), Yali Battal (kolibri) und Meghan Lawrence (Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland) diskutierten über Geschlechtergerechtigkeit im Gesundheitssystem. / © PZ/Alois Müller
Battal Yali, der die Initiative kolibri gegen häusliche Gewalt gegründet hat, ergänzte die Debatte um eine gesellschaftliche Perspektive. Ungleichheiten würden häufig bestehen bleiben, weil sie nicht ausreichend wahrgenommen und angesprochen werden. »Deutschland hat ein Haltungsproblem und ein Wegsehproblem«, sagte er. »Wir sehen die Probleme und sprechen sie nicht an. Menschenrechte sind nicht neutral und müssen geschützt werden. Wir müssen viel mehr in Prävention und gegen Gewalt an Frauen investieren.«
Meghan Lawrence setzt auf einer früheren Ebene an: Menschen müssten bereits früh lernen, welche Auswirkungen das eigene Handeln auf andere habe und wie man beispielsweise mit Frust umgeht. Dafür wünscht sie sich beispielsweise Schulungen für Führungskräfte.