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Lösen oder suspendieren
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Darauf kommt es in der Rezeptur an

Feststoffe in der Rezeptur zu verarbeiten, ist nicht ganz trivial. Egal, ob in Lösungen oder Suspensionen – es gibt einige Fallstricke zu beachten. Worauf PTA achten sollten und welche Tricks die Praxis erleichtern, erklärte PTA Ingrid Tieke.
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 23.07.2026  08:00 Uhr

Bei einer klaren Lösung handelt es sich um eine einphasige, klare Mischung, die ein oder mehrere Substanzen in gelöster Form enthält und ein homogenes Verhalten zeigt, erläuterte Ingrid Tieke bei einem Webinar der Firma Caelo Ende Juni. Die PTA ist Leiterin des Produktmanagements und Vertriebs im Bereich Apotheke/Krankenhaus bei Caelo. »Die gelösten Feststoffe liegen als Moleküle oder Ionen vor – es kann aber auch zu Zusammenlagerungen kommen«, sagte die Referentin.

Lösungen werden in echte und kolloidale Lösungen unterteilt: In echten Lösungen ist die gelöste Substanz molekulardispers verteilt, die Substanz dehnt sich bis zu 500 nm aus. Bei Lichteinfall erscheinen sie klar. Kolloidale Lösungen sind dagegen leicht opaleszierend oder milchig. »Die Teilchen bleiben hier in der Schwebe, homogen verteilt, es ist aber immer noch eine Lösung, keine Suspension, und diese kann auch so abgegeben werden«, sagte Tieke. Hintergrund ist der Tyndall-Effekt, wie die Rezepturexpertin erläuterte. Sind Moleküle oder Assoziate größer als 500 nm, wird das Licht gestreut.

In halbfesten Zubereitungen liegt der Feststoff in einer Lösungssalbe, -creme oder -emulsion gelöst vor. Tieke: »Wenn Sie ein Lösungsmittel in der halbfesten Zubereitung haben, dann müssen Sie prüfen: Passt die Konzentration oder muss ich eventuell noch Lösungsmittel zugeben?«

»Wenn bei einer W/O-Creme das Lösungsmittel erhöht werden soll, um einen Feststoff in Lösung zu bringen, dann muss man darauf achten, ob das Mehr an Hydrophilie auch tatsächlich emulgiert werden kann«, betonte Tieke. Dies verdeutlichte sie anhand der Rezeptur Harnstoff 10 % in Wollwachsalkoholcreme DAB:

  • Harnstoff 10 g
  • Gereinigtes Wasser 40 g
  • Wollwachsalkoholsalbe DAB 50 g

»Die Wollwachsalkoholsalbe kann nur 50 Prozent Hydrophilie aufnehmen. In der Wollwachsalkoholcreme hat man 50 Prozent Wasseranteil, das ist an der Grenze. Wenn Sie hier 10 Prozent Harnstoff zugeben, löst der sich nach einer gewissen Zeit im hydrophilen Anteil der Creme auf, aber dann kann die Creme instabil werden – das Wasser trennt sich ab.« Daher behelfe man sich hier mit der Zugabe von gereinigtem Wasser – man hat also 50 g hydrophilen Anteil und 50 g Wollwachsalkoholsalbe. »Das lässt sich dann sicher und stabil emulgieren«, so Tieke. Wichtig sei dabei, dass sich der Harnstoff auch vollständig im Lösungsmittel Wasser löst und es nicht zu einer Sättigung und Rekristallisation kommt.

Ein weiteres Problem, das beim Lösen von Feststoffen in halbfesten Zubereitungen auftreten kann, ist eine Schmelzpunktdepression. Anders als beim Salzstreuen im Winter ist der Effekt bei halbfesten Zubereitungen nicht erwünscht, denn es kommt zu einer Verflüssigung. Tiekes Tipp: »Hier kann man entgegenwirken, indem man konsistenzstabilisierende Stoffe ergänzt, zum Beispiel Vaseline, Gelbes Wachs oder hydrierte Fette.«

Wirkstoffe lösen sich prinzipiell besser bei höheren Temperaturen auf. Aber Vorsicht: Bei Abkühlung kann es zu Auskristallisationen und Ausfällungen kommen. »Je niedriger die Temperatur bei der Herstellung, desto besser die Stabilität der Lösungssalbe«, betonte Expertin Tieke. Am besten sei es, Wirkstoffe bei Raumtemperatur zu lösen. Alternativ könne man den Ansatz auch erwärmen, abgedeckt stehen lassen und schauen, wie sich die Lösung entwickelt. Bei Defekturen gilt: bei längerer Lagerung auf Rekristallisation prüfen!

Emulsionen, Pasten, Schüttelmixturen

Ist kein Lösungsmittel in der Zubereitung enthalten, muss der Feststoff suspendiert verarbeitet werden. Beispiele für halbfeste Zubereitungen sind Emulsionen und bei höherem Feststoffanteil weiche und harte Pasten, für flüssige Zubereitungen etwa viskose Suspensionslösungen zum Einnehmen oder kutan anwendbare Suspensionen mit höherem Feststoffanteil, auch Schüttelmixturen genannt. »Suspensionsemulsionen kommen in der Apotheke häufig vor, da sich etwa Glucocorticoide nicht in den üblichen Grundlagen lösen«, nannte Tieke ein Beispiel.

Nach ihrem Feststoffanteil lassen sich Suspensionszubereitungen folgendermaßen einteilen:

  • Suspensionsemulsionen, -cremes, -salben: bis 20 Prozent
  • Pasten: weiche circa 30 Prozent und harte 50 Prozent
  • Suspensionslösungen/Schüttelmixturen: 0,5 bis 40 Prozent.

Tieke betonte, dass die Partikel unterschiedliche Formen und Größen besitzen können. »Gerade wenn Sie in einer Suspension verschiedene Partikel zusammenbringen wollen, sollte das Ganze miteinander noch einmal homogenisiert werden.« Das heißt: den Mörser erst mit Aerosil® (Siliciumdioxid) auskleiden, dann alles zusammen mörsern, um es auf eine Teilchengröße zu bringen. »Die feine Körnung ist wichtig, um eine gleichmäßige Verteilung durch eine möglichst enge Partikelgrößenverteilung zu ermöglichen. Das gewährleistet die Dosiergenauigkeit«, so die Rezepturexpertin. Die Apotheke könne sich Arbeit und Zeit sparen, indem sie industriell mikronisierte Feststoffe verarbeite. Aber hierbei sollte man wissen: Die Kennzeichnung »mikronisiert« ist in der Industrie nicht einer bestimmten Teilchengröße zugeordnet.

Herausforderung flüssige Suspensionen

»Suspensionen selbst zu entwickeln, das ist keine einfache Aufgabe«, sagte Expertin Tieke. Normalerweise sinkt der Wirkstoff nach unten, da er eine höhere Dichte als das Dispersionsmittel hat. Es bildet sich ein Niederschlag, es kommt also zur Sedimentation. Voraussetzung dafür ist, dass sich die disperse Phase ausreichend benetzen lässt. »Ist der Feststoff nicht gut benetzt oder entstehen beim Anreiben Lufteinschlüsse, ist die Dichte geringer und der Feststoff wandert zur Oberfläche«, beschrieb Tieke ein Problem, das vor allem bei hydrophoben Stoffen auftritt – diesen Vorgang nennt man auch Aufrahmen oder Flotation.

Prinzipiell ist die Bildung eines Niederschlags bei einer Suspension erlaubt – er muss sich jedoch wieder homogen aufschütteln lassen. Bei jeder individuell hergestellten Suspensionslösung muss das überprüft werden. »Es darf nicht passieren, dass beim Schütteln einzelne Klümpchen entstehen.« Wichtig ist laut Tieke außerdem, dass die Flüssigkeit so viskos ist, dass der Feststoff nach dem Aufschütteln für eine gewisse Zeit in der Schwebe bleibt, mindestens so lange, wie der Patient braucht, um die Flüssigkeit zu applizieren.

Die Aufschüttelbarkeit wird in drei Stufen geprüft:

  1. Dreimal kippen um 180 °
  2. Sanft schütteln
  3. Kräftig schütteln.

Das Ziel: »Auch nach der dritten Stufe sollte noch eine homogene Verteilung des Feststoffs erfolgen, ohne Klumpen und ohne Caking«, verdeutlichte Tieke. Sie appellierte: »Sie müssen das Sedimentationsverhalten beurteilen: Haben Sie hier eine behinderte oder unbehinderte Sedimentation?« Bei einer behinderten Sedimentation kommt es zu einer Assoziation von Partikeln zu Flocken – die größeren Partikel ziehen die kleineren dann mit nach unten. Eine behinderte Sedimentation erkenne man daran, dass die Flüssigkeit über dem Sediment schnell klar wird. »Das birgt die Gefahr, dass sich die Suspension nicht gut aufschütteln lässt und es zu einer Verklumpung kommt.« Bei individuell hergestellten Suspensionslösungen sollte man aus diesem Grund auch immer nur eine Haltbarkeit von vier Wochen angeben, riet PTA Tieke.

Wie lässt sich eine solche Suspension nun stabilisieren? Unpolare Stoffe könne man mit Tensiden anreiben (zum Beispiel Tween 20 oder Tween 80), so Tieke. Man könne auch die Feststoffe benetzen, bei einer wässrigen Lösung etwa mit Glycerol 85 % oder Propylenglycol (nur bei erwachsenen Patienten!), bei einer öligen Lösung mit mittelkettigen Triglyceriden. Das Verreiben mit mikrokristalliner Cellulose oder hochdispersem Siliciumdioxid ermöglicht eine feine Verteilung des Feststoffs. Weiter gilt: Temperaturschwankungen vermeiden, Rührtechnik gegebenenfalls anpassen und Zeit zum Entschäumen lassen. Hilfreich kann auch sein, die Dichte der Flüssigkeit durch ein Verdickungsmittel zu erhöhen. Bei oralen Lösungen ist Hydroxyethylcellulose das Mittel der Wahl, möglich sind aber auch Glycerol 85 % und Propylenglycol. Andere Verdickungsmittel wie Tragant, Xanthangummi oder vorverkleisterte Stärke seien dagegen weniger geeignet.

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