| Barbara Döring |
| 08.05.2026 16:00 Uhr |
So würde der Penis unter Medizinern auch als »Antenne zum Herzen« bezeichnet, da Probleme, die »unten« auftreten, melden, dass es später oben Herzprobleme geben kann. Doch nach wie vor sei das Thema sehr schambehaftet und die überwiegende Mehrheit der Patienten komme erst in die ärztliche Sprechstunde, wenn PDE-5-Hemmer wie Viagra®, die über eine Gefäßerweiterung zur Erektion führen, nicht mehr wirken.
Dieses und andere Potenzmittel werden oft über dubiose Quellen im Internet bestellt, um nicht mit dem Arzt sprechen zu müssen oder um die Produkte günstiger zu erwerben. Denn auch wenn Viagra und Co. rezeptpflichtig sind, müssen Betroffene die Kosten in der Regel selbst tragen. Die Gefahren durch illegal importierte Substanzen sind bekannt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass in Ländern, in denen PDE-5-Hemmer eine OTC-Freigabe haben, weniger Männer auf den Schwarzmarkt zurückgreifen. Nach drei gescheiterten Anträgen könnte es deshalb bald einen erneuten Versuch geben, die Präparate aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Viele Kunden sind zudem dankbar, wenn sie ihr Präparat in der Apotheke möglichst diskret erhalten oder über die Website die Vorbestellung nutzen und das Medikament bereits verpackt abholen können.
PDE-5-Hemmer wirken nicht in allen Fällen einer ED. Etwa 50 Prozent der betroffenen Männer erreichen mit der bekannten kleinen blauen Pille Viagra® (Sildenafil) oder den Nachfolger-Wirkstoffen aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer wie Tadalafil (Cialis®), Vardenafil (Levitra®) oder Avanafil (Spedra®) eine verbesserte Erektion. Vor allem wenn die peniszuführenden Gefäße atherosklerotisch verändert sind, wirken die Substanzen nicht ausreichend. Für diese Patienten können laut Diehm eine Stent-Behandlung oder eine Stoßwellentherapie sehr gute Optionen sein.
Eine Stent-Behandlung erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung. »Der Eingriff dauert etwa eine bis eineinhalb Stunden und ähnelt der Implantation eines Stents am Herzen, nur eine Etage tiefer«, erläutert Diehm. Anatomisch sei der Eingriff etwas anspruchsvoller als am Herzen, da die Variabilität der Blutgefäße im kleinen Becken größer sei. Für den Patienten sei es jedoch keine große Angelegenheit.
Auch wenn PDE-5-Hemmer auf dem gleichen Wirkprinzip basieren, können sie sich in ihrer Wirkung deutlich unterscheiden. »Tadalafil hat gegenüber Sildenafil den Vorteil, dass es eine deutlich längere Halbwertszeit hat«, erläutert der Gefäßmediziner. Es wirkt länger als Sildenafil, dafür dauert es auch länger, bis die Wirkung einsetzt. Während bei Sildenafil die Wirkung nach 30 bis 60 Minuten eintritt, dauert es bei Tadalafil etwa zwei Stunden. Bei Sildenafil klingt die Wirkung nach vier bis fünf Stunden ab, bei Tadalafil erst nach etwa 17,5 Stunden.
Auch eine Kombination aus beiden Wirkstoffen kann sinnvoll sein. »Manche Patienten nehmen zum Beispiel 5 mg Tadalafil täglich als Basis und bei Bedarf eine halbe Stunde vor dem Geschlechtsverkehr zusätzlich Sildenafil«, führt Diehm aus. Welcher Wirkstoff oder ob eine Kombination besser geeignet ist, sei individuell unterschiedlich.
Ist eine Behandlung mit PDE-5-Hemmern nicht wirksam oder kontraindiziert, stehen weitere Optionen zur Verfügung wie die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) oder die transurethrale Applikation (MUSE). Bei SKAT spritzt der Patient den Wirkstoff Alprostadil in den Schwellkörper. Das entspannt die glatten Muskelzellen und erleichtert den Blutfluss. Bei MUSE wird ein mit Alprostadil beschichtetes Stäbchen in die Harnröhre eingeführt. Beide Methoden erreichen eine etwa einstündige Erektion, funktionieren jedoch nur, wenn die zum Penis führenden Arterien intakt sind.