PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Mehr Verantwortung für PTA
-
Fit fürs Impfen

PTA dürfen gemäß Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz künftig noch stärker in den Impfprozess eingebunden werden. PTA Forum zeigt auf, was das für die Praxis bedeutet und welche Aufgaben PTA konkret übernehmen können.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 01.09.2026  16:00 Uhr

Ärztliche Schulungen

Alle zukünftigen Impf-PTA müssen zunächst die neue ärztliche Schulung absolvieren. Das ApoVWG verlangt jedoch keine Zusatzqualifikation wie einen Notfallsanitäter-, MFA- oder Pflegeabschluss. Entscheidend sind die staatliche PTA-Berufserlaubnis, die erfolgreich absolvierte ärztliche Impfschulung und die Tätigkeit unter Delegation und Aufsicht eines impfberechtigten Apothekers. Apotheken, die Impf-PTA einbinden wollen, müssen geeignete Arbeitsabläufe definieren und dabei zum Beispiel die folgenden Fragen beachten:

  • Welcher Apotheker führt das Aufklärungsgespräch?
  • Wie erfolgt die Dokumentation?
  • Wer beobachtet Patienten nach der Impfung?
  • Wer greift bei Zwischenfällen ein?

Da die fachliche Verantwortung grundsätzlich beim Apotheker verbleibt, dürfte die Auswahl geeigneter PTA und die Dokumentation der Qualifikation in der Praxis eine wichtige Rolle spielen. Vermutlich wird auch nicht jede Apotheke PTA impfen lassen. Viele kleinere Apotheken impfen bislang gar nicht oder nur gelegentlich gegen Influenza oder Covid-19. Dort dürfte der Apotheker die Impfung häufig weiterhin selbst durchführen. Apotheken mit etablierten Impfsprechstunden könnten dagegen von der Delegationsmöglichkeit profitieren. Neben organisatorischen Regelungen ist gegebenenfalls auch zu prüfen, ob die Vergütungsvereinbarungen für die erweiterten Impfleistungen der PTA angepasst werden.

Entscheidend für ein gutes Impfen in der Apotheke ist jedoch längst nicht nur die sichere Injektionstechnik. Eine gute Kommunikation und professionelle Arbeitsabläufe sind ebenso von Belang. Dazu gehören die Terminvergabe, die Prüfung des Impfpasses und die Vorbereitung standardisierter Anamnesebögen, um mögliche Kontraindikationen zu erfassen. Hier unterstützen PTA bereits heute.

Unsicherheit nehmen

Grundsätzlich beginnt der Impfprozess oft auch nicht erst im Impfraum, sondern am Handverkaufstisch. PTA beantworten Fragen und nehmen vielen Menschen die Unsicherheit vor einer Impfung. Ebenso kontrollieren sie den Impfstoff, achten auf die Einhaltung der Kühlkette, überprüfen Chargennummern und bereiten gegebenenfalls Rekonstitutionen vor, bereiten also den Impfstoff für die Verabreichung vor. In der Praxis füllen sie auch oft die Impfdokumentation aus, die der verantwortliche Apotheker dann nur noch prüft und abzeichnet. Außerdem beraten sie zu typischen Impfreaktionen und erklären, wann eine ärztliche Abklärung erforderlich wird, etwa bei ausgeprägten Allgemeinreaktionen oder ungewöhnlich starken lokalen Beschwerden.

Wenn PTA stärker in das Impfen in der Apotheke eingebunden werden, können sie noch mehr darauf achten, dass der Patient vor der Impfung entspannt ist. Wer bereits im lockeren Gespräch vorab erfährt, wie die Impfung abläuft und was ihn erwartet, geht gelassener zum Termin. PTA können außerdem realistische Erwartungen vermitteln und erklären, warum Impfungen wichtig sind. Dadurch tragen sie dazu bei, Vertrauen aufzubauen und Vorbehalte abzubauen.

Die Wortwahl entscheidet zudem darüber, wie Patienten eine Impfung erleben. Allgemein abgeraten wird von gut gemeinten, aber unrealistischen Aussagen wie »Das tut gar nicht weh«. Empfinden Impflinge den Einstich anschließend doch als schmerzhaft, leidet das Vertrauen. Bewährt haben sich ehrliche Formulierungen wie »Es piekst kurz, dann sind wir schon fertig«.

Auch kleine organisatorische und praktische Maßnahmen können Schmerzen und Stress deutlich verringern. Eine Rolle spielt dabei die Körperhaltung. Erwachsene sollten möglichst im Sitzen geimpft werden. Bei Patienten mit bekannter Neigung zu Kreislaufreaktionen oder Synkopen kann allerdings eine halb liegende oder liegende Position sinnvoll sein. Für Erwachsene mit ausgeprägter Injektionsangst können topische Lokalanästhetika eingesetzt werden. Lidocainhaltige Pflaster oder Cremes müssen allerdings je nach Produkt bereits 15 bis 60 Minuten vor der Impfung aufgetragen werden.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Einstichstelle unmittelbar vor der Injektion kurz zu kühlen. Auch Kältesprays können die Schmerzempfindung reduzieren. Wirksame Methoden gegen Angst und Schmerz sind, sich gezielt abzulenken oder kontrolliert zu atmen. Mehrmaliges tiefes Ein- und Ausatmen oder das bewusste Fixieren eines Punktes im Raum hilft vielen Menschen, den Moment des Einstichs entspannter zu erleben.


Allerdings ist nicht jede vermeintlich hilfreiche Maßnahme tatsächlich empfehlenswert. Von einer vorsorglichen Einnahme von Schmerzmitteln unmittelbar vor der Impfung raten Fachgesellschaften ab. Zum einen ist der Nutzen gering, zum anderen wird diskutiert, ob bestimmte Analgetika die Immunantwort beeinflussen könnten. Auch das Reiben, Kneifen oder Beklopfen der Einstichstelle als Ablenkungsmanöver gilt inzwischen als überholt. Solche Maßnahmen können zusätzliche Schmerzen verursachen oder lokale Reizungen verstärken.

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa