Es gibt Menschen, die können mit dem heutigen Bild der »romantischen Liebe« nichts anfangen – und das ist auch in Ordnung. / © Getty Images/Bob Thomas
Diese eine Person, zu der man eine ganz besonders innige Verbindung spürt, neben der man morgens aufwachen und abends in den Sonnenuntergang spazieren will. Viele Menschen kennen die Sehnsucht nach romantischer Liebe. Andere können damit nur wenig oder gar nichts anfangen — und das ist genauso in Ordnung. Sie identifizieren sich möglicherweise mit dem Label »aromantisch«.
Doch woran erkennt man, dass man aromantisch ist — und romantische Bindungen nicht aus anderen Gründen, etwa Angst vor Verletzungen, meidet? Laut dem Psychologen Robert Coordes ist der entscheidende Unterschied: »Die einen haben einen Leidensdruck und die anderen eben nicht.«
Wer aromantisch ist, hat schlicht kein Interesse an romantischen Beziehungen, also kein Bedürfnis danach. »Wenn ich nichts vermisse, habe ich auch kein Problem«, sagt Coordes. Er zieht den Vergleich: »Wenn Sie keinen Schokopudding mögen, kein Interesse an Schokopudding haben, dann haben Sie ja auch kein Problem.«
Anders schaut es aus, wenn man romantische Bindungen aufgrund von Beziehungsstörungen meidet. Dann besteht, wenn man ganz ehrlich zu sich ist, schon einen Leidensdruck. Eigentlich sehnt man sich nach romantischer Liebe, der Gedanke daran löst aber unter Umständen negative Gefühle wie Angst aus.
Hinter so einer Beziehungsstörung, also der Schwierigkeit, sich auf eine andere Person einzulassen, stecken Robert Coordes zufolge üblicherweise negative Vorerfahrungen. »Vielleicht habe ich in der Kindheit eine bestimmte Art der Bindung als bedrohlich erlebt, die Erfahrung gemacht, dass ich meine Autonomie verliere, emotional einverleibt werde, etwa von einem Elternteil.«
Sein Rat: sich einmal durch die eigene Biografie durcharbeiten. War das schon immer so, dass man kein Bedürfnis nach Romantik hatte? »Oder hatte man in der Vergangenheit durchaus Verliebtheitsphasen, romantische Sehnsüchte, wurde aber verletzt und hat sich deshalb davon abgeschnitten?«, beschreibt Coordes.