| Caroline Wendt |
| 20.03.2026 16:00 Uhr |
Während Mediziner Asthma früher strikt nach einem festen Stufenplan behandelten, orientiert sich die aktuelle S2k-Leitlinie nicht nur am Schweregrad, sondern auch daran, wie gut das Asthma unter Therapie kontrolliert ist. Neu ist außerdem, dass die frühere Einteilung der Medikamente in »Controller« (Dauermedikation) und »Reliever« (Bedarfsmedikation) nicht mehr im Mittelpunkt steht. Vielmehr betrachtet man die Therapie als Gesamtkonzept, das angepasst werden kann.
Laut der Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) gilt Asthma bei Erwachsenen als kontrolliert, wenn
Nehmen Symptome, Bedarfsmedikation und Einschränkungen im Alltag zu, spricht man von teilweise beziehungsweise unkontrolliertem Asthma (siehe Tabelle).
| Kontrolliertes Asthma | Teilweise kontrolliertes Asthma (1 bis 2 Kriterien treffen zu) | Unkontrolliertes Asthma (> 2 Kriterien treffen zu) | |
|---|---|---|---|
| Symptome tagsüber | ≤ 2x/Woche | > 2x/Woche | > 2x/Woche |
| Symptome nachts | keine | jedes Symptom | jedes Symptom |
| Bedarfsmedikation | ≤ 2x/Woche | > 2x/Woche | > 2x/Woche |
| Aktivitätseinschränkung | keine | jede Einschränkung | jede Einschränkung |
Ziel der Asthmatherapie ist nicht nur die Bekämpfung, sondern auch die Prävention von Symptomen. Langfristig soll eine Asthmakontrolle, eventuell sogar eine Asthmaremission, erreicht werden, also ein Zustand ohne Symptome, ohne Verschlechterung und mit stabiler Lungenfunktion über mindestens zwölf Monate.
Die medikamentöse Behandlung orientiert sich an einem Therapieschema mit fünf Therapiestufen bei Erwachsenen. Auf allen Stufen können kurzwirksame Bronchodilatatoren wie Salbutamol (Short‑Acting Beta‑2‑Agonists, SABA) als Notfallsprays eingesetzt werden. Sie entspannen die Bronchialmuskulatur und erweitern die Atemwege bei einem akuten Asthmaanfall.
Ein SABA als alleinige Therapieoption gilt in vielen Fällen nicht mehr als ausreichend. Viele Patienten sind irritiert, wenn ihre Therapie nach einem Kontrolltermin umgestellt oder ergänzt werden soll – obwohl sie subjektiv gut mit ihrer bisherigen Behandlung zurechtkommen. In der Beratung gilt es dann zu erklären: Salbutamol lindert zwar die Symptome, die zugrunde liegende Entzündung behandelt es jedoch nicht.
Stufenschema nach NVL, Stand 2024 (ICS: inhalatives Corticosteroid; IgE: Immunglobulin E; IL: Interleukin; LABA: langwirksames inhalatives Beta-2-Mimetikum; LAMA: langwirksames Anticholinergikum; LTRA: Leukotrien-Rezeptor-Antagonist; OCS: orales Corticosteroid; SABA: kurzwirksames inhalatives Beta-2-Mimetikum; TSLP: Thymus-Stroma-Lymphopoietin) / © PZ/Stephan Spitzer
Auf Stufe 1 – also bei nur gelegentlichen Beschwerden – stellt die NVL Asthma eine reine Bedarfstherapie mit einem SABA oder eine entzündungshemmende Fixkombination aus einem niedrig dosierten inhalativen Glucocorticoid (ICS) und dem schnell wirksamen Beta‑2‑Agonisten Formoterol (Fast‑Acting Beta‑Agonist, FABA) als gleichberechtigte Optionen dar. Allerdings verweist die Leitlinie auch auf Studien, die darauf hindeuten, dass sich die Fixkombination als effektiver und sicherer erwiesen hat. Beide Optionen können akute Atemnot rasch lindern, doch nur die Fixkombination adressiert zusätzlich die zugrunde liegende Entzündung.
Wird die Fixkombination aus ICS und Formoterol sowohl als Bedarfs- als auch als Langezeittherapie verwendete, entfällt die Qual der Wahl. / © Getty Images/coldsnowstorm
Benötigen Patienten ihre Bedarfsmedikation häufiger als zweimal pro Woche, soll gemäß der NVL Asthma eine antientzündliche Langzeittherapie begonnen werden. Damit erreichen sie Stufe 2. Hier empfiehlt die Leitlinie bei erwachsenen Patienten eine Langzeittherapie mit einem niedrig dosierten ICS oder – bei Nebenwirkungen oder bei Patienten, die eine Dauertherapie mit Cortison ablehnen – eine reine Bedarfstherapie mit der Fixkombination ICS/Formoterol.
In begründeten Fällen – etwa bei ausgeprägten lokalen Nebenwirkungen auf inhalative Glucocorticoide – kann ein Leukotrien Rezeptorantagonist (LTRA) wie Montelukast als Langzeittherapie erwogen werden. Das Präparat wird insgesamt gut vertragen, allerdings wurden selten neuropsychiatrische Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Unruhe oder Stimmungsschwankungen beschrieben. Patienten beziehungsweise Eltern sollten darauf hingewiesen werden, bei entsprechenden Veränderungen den Arzt zu kontaktieren.