Eine seltene, weitgehend unbekannte Komplikation einer Statintherapie ist eine immunvermittelte nekrotisierende Myopathie, bei der es zu einem Angriff des Immunsystems auf die Muskulatur kommt. Ein Anzeichen ist eine deutliche Muskelschwäche, die sich meist innerhalb kurzer Zeit entwickelt und in der Regel die Beine stärker als die Arme betrifft.
Laut einer US-amerikanischen Publikation, in der 63 Fälle beschrieben sind, berichten viele Patienten auch über eine Schwäche der Halsmuskulatur und Schluckbeschwerden. Zudem war die Kreatinkinase stark erhöht, und alle Patienten zeigten spontane elektrische Entladungen (Fibrillationspotenzial) in der Elektromyografie. Die Muskelbiopsien aller Betroffenen belegten einen massiven Untergang von Muskelfasern.
Anders als bei der Rhabdomyolyse sind die Muskelschäden bei der nekrotisierenden autoimmunen Myopathie nach dem Absetzen der Medikamente nicht reversibel. Die Patienten benötigen eine immunsuppressive Therapie, oft lebenslang.
Neu auftretende Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Muskelkrämpfe oder dunkel verfärbten Urin sollten Patienten, die ein Statin einnehmen, zeitnah ärztlich abklären lassen, besonders wenn die Therapie neu ist oder diese verändert wurde (neue Begleitmedikation, Dosiserhöhung).
Archivartikel, aktualisiert; im Original erschienen am 14.11.2022