Die Arbeit von PTA in der Rezeptur erfordert mitunter geradezu einen detektivischen Sinn. / © Getty Images/Westend61
Eines Morgens findet PTA Gabi Galenik ein Rezept auf ihrem Arbeitsplatz mit der Bitte um Herstellung und macht sich sogleich an die Plausibilitätsprüfung (siehe Kasten).
Als Erstes gibt sie alle Wirkstoffe in das Suchfeld auf der Webseite des DAC/NRF ein, findet jedoch nur zwei Cremes, die sie sich nicht näher anschaut. Daraufhin engt sie die Suche etwas ein und schaut sich zunächst die Rezepturhinweise der Wirkstoffe an. Im Rezepturhinweis »Miconazol und Miconazolnitrat« findet sie eine alkoholische Lösung, die bereits recht gut passt. Das Imidazol-Antimykotikum findet in verschiedenen Darreichungsformen auf der Haut Anwendung, auch als alkoholische Lösung. Es gab eine entsprechende Vorschrift, die aufgrund ausreichend verfügbarer Fertigarzneimittel gestrichen wurde. Die Zusammensetzung ist aber im Rezepturhinweis weiterhin aufgelistet.
Die Zusammensetzung der »Ethanolhaltigen Miconazolnitrat-Lösung 1 % (entfallene NRF 11.80.)« ist der gesuchten sehr ähnlich, enthält aber kein Clobetasolpropionat und keine Salicylsäure, dafür sind 2 Prozent Milchsäure enthalten. Die Milchsäure ist zugesetzt, weil ein niedriger pH-Wert zu einer leicht verbesserten Löslichkeit des Antimykotikums führt. Der pH-Wert der fertigen Lösung beträgt etwa 3,4.
Im Abschnitt »Stabilität« des Rezepturhinweises findet Gabi, dass Miconazolnitrat sowohl bei hohen als auch in niedrigen pH-Milieus vergleichsweise stabil ist. Die rezeptierte Lösung enthält keine Milchsäure, stattdessen aber Salicylsäure, die ebenfalls für einen niedrigen pH-Wert sorgt.
Im Rezepturhinweis »Salicylsäure« wird ein geschätzter pH-Wert von 2,4 für eine ungepufferte Lösung angegeben. Die Milchsäure wird also für die pH-Einstellung nicht benötigt. Salicylsäure wirkt keratolytisch, aber auch bakteriostatisch und fungizid. Das unterstützt die Wirkung des Miconazolnitrats.
Gabi gibt nun gezielt beide Wirkstoffe in die Suche ein, um nach weiteren Informationen zu suchen. Der Rezepturenfinder listet eine Rezepturformel, die der gesuchten ohne Clobetasolpropionat entspricht. Im Kommentar wird erwähnt, dass eine Kombination mit Glucocorticoiden möglich ist. Als Aufbrauchsfrist werden vier Wochen angegeben. Sollte sie keine anderslautenden Angaben finden, wird sie dies als Aufbrauchsfrist für die Lösung festlegen.
Als Letztes wirft Gabi einen Blick auf Clobetasolpropionat. Das sehr stark wirksame (Klasse IV) Glucocorticoid hat laut den »Tabellen für die Rezeptur« einen rezeptierbaren pH-Bereich von 2 bis 9. In Propylenglycol und Ethanol ist das Corticoid nur wenig löslich, bei der geringen Konzentration, die hier verlangt wird, reicht die Löslichkeit aber aus.
Bleibt die Herstellung. Miconazolnitrat löst sich nicht sehr gut in ethanolischen Lösungen und kann bei zu starker Abkühlung wieder ausfallen. Laut Rezepturhinweis »Miconazol und Miconazolnitrat« wird der Wirkstoff bei 70 °C unter Rühren gelöst. Da sich das Antimykotikum im Sauren besser löst, wiegt Gabi alle Bestandteile bis auf das Clobetasolpropionat ab, erwärmt sie auf die gewünschten 70 °C und rührt, bis alles gelöst ist. Verdunstungsverluste werden mit Ethanol 96 Prozent ergänzt.
Das Corticoid löst Gabi in der sich langsam abkühlenden Lösung. Die Lösung sollte nicht im Kühlschrank gelagert werden, um einen Ausfall des Antimykotikums zu verhindern. Ausfällungen lassen sich aber unter leichtem Erwärmen wieder in Lösung bringen.
Für die Gebrauchsanweisung fragt Gabi in der Praxis nach. Dort wird ihr mitgeteilt, dass die Lösung einmal täglich für maximal zwei Wochen auf die entsprechenden Hautstellen aufgetragen werden soll. Gabi macht alle Vermerke in den Protokollen und auf dem Etikett und stellt die Lösung nach Rücksprache mit der diensthabenden Apothekerin her.
1x täglich auf die Stellen auftragen; maximal zwei Wochen