Nachtpflege mit Köpfchen: Weil die Haut nachts auf Regeneration eingestellt ist, profitiert sie von Spezialpräparaten. / © Getty Images/Comstock
In der Nacht läuft in unserem Körper ein effektives Detox-Programm. Dabei finden nicht nur wichtige Entgiftungsprozesse in der Leber als dem zentralen Entgiftungsorgan sowie im Gehirn statt, auch die Haut ist nachtaktiv: Die Frequenz der Zellteilung ist höher als tagsüber – gesteuert durch das Hormon Melatonin. So werden im Schlaf Feuchtigkeitsverluste ausbalanciert, Zellschäden repariert und Schutzmechanismen reaktiviert. Aber braucht die Haut bei diesem intern ablaufenden Schönheitsprogramm überhaupt noch eine spezielle Pflege?
Wenn man die Bedürfnisse der Haut optimal unterstützen möchte, dann sind spezielle auf die Nacht abgestimmte Cremes, Masken und Seren durchaus geeignet. Sie pushen den natürlichen Regenerationsprozess der Haut, indem sie nächtliche Reparaturarbeiten unterstützen. Dies gelingt im Schlaf besonders gut, weil dann die Poren auf ein Maximum geweitet sind, die Hautbarriere ist durchlässiger – Wirkstoffe werden dann besonders gut aufgenommen.
Sämtliche physiologischen Vorgänge in der Haut unterliegen chronobiologischen Einflüssen. Sie bestimmen, wann die Haut welche Aufgaben erfüllt. Während unser größtes Organ uns tagsüber vor Wind, UV-Licht und Umweltschadstoffen schützt, widmet es sich nachts der Reparatur von Zellschäden und dem Ausgleich von Feuchtigkeitsverlust. Dabei verläuft die nächtliche Aktivität in verschiedenen Abschnitten.
Es beginnt mit einer Phase gesteigerter Durchblutung und Durchfeuchtung etwa gegen 20 Uhr, in der körpereigene Vitalstoffe verstärkt aus der Tiefe in obere Regionen geschleust werden, um diese Zellen wieder zu versorgen. Tagsüber hat die Haut nicht wenige ihrer körpereigenen Feuchthaltefaktoren abgeben müssen.
Ab etwa 23 Uhr schüttet die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) vermehrt Somatropin aus. Das Wachstumshormon, auch bekannt als Human Growth Hormone, reguliert die Reifung und Differenzierung der Hautzellen. Es regt die Zellerneuerung an und sorgt dafür, dass festigende Faserproteine wie Kollagen und Kreatin aufgebaut werden. Die Zellteilungsrate ist dann etwa siebenmal höher als am Tag. Cave: Ab der Lebensmitte beträgt die Produktion von Somatropin übrigens nur noch etwa ein Viertel der Menge, die der Haut in jungen Jahren zur Verfügung steht. Eine gute Nachtpflege ist deshalb für die reife Haut besonders wichtig.
Nachtcremes sind deutlich reichhaltiger formuliert als klassische Tagescremes. Die Haut kann die Extraportion an Nährstoffen im Schlaf zudem besonders gut aufnehmen und verarbeiten. Das sorgt für einen besonders intensiven Anti-Aging- und Feuchtigkeitsboost, mit der eine gewöhnliche Tagespflege nicht mithalten kann.
Zu den effektiven Wirkstoffen zählen vor allem Reparaturenzyme wie Coenzym Q10 (wie Eucerin® Coenzym Q10 Nachtpflege). Das Vitamin-A-Derivat Retinol trägt zum Zellwachstum bei und unterstützt die Abwehrfunktion der Haut (wie Neostrata® Retinol Night Serum, Roche-Posay Redermic Retinol Anti-Falten Serum). Es spielt für die Struktur und das Erscheinungsbild der Haut eine große Rolle. Spezifische Peptide regen zudem die Synthese der Strukturproteine Kollagen und Elastin an und verleihen der Haut damit mehr Elastizität. Antioxidative Stoffe wie Vitamin C oder Resveratrol entsorgen schädigende Oxidanzien, die tagsüber aufgelaufen sind (wie Vichy Liftacitv Kollagen Specialist Nacht, Caudalie Resveratrol Lift Kräuter-Nachtcreme).
Auch die Grundlage von Nachtpflegeprodukten ist der Chronobiologie der Haut angepasst. In der Nacht ist die Talgproduktion auf ein Minimum reduziert. Dermokosmetika sind deshalb reichhaltiger, auch damit Feuchtigkeit und Lipide, die tagsüber verlorengegangen sind, ausgeglichen werden können.
Zu den pflegenden Grundlagen-Substanzen zählen dabei pflanzliche Öle wie Olivenöl oder Nachtkerzenöl, ungesättigte Fettsäuren, Ceramide, Glycerolmonostearat oder Wachse (wie in Olivenöl Intensivcreme Rosé von Medipharma, Dermasence Hyalusome Nachtpflege, Widmer Rich Night Cream). Dabei sollte die nächtliche Pflege auf die individuellen Bedürfnisse der Haut angepasst und auf die entsprechende Tagespflege abgestimmt sein.
Klar, eine normale oder unreine Haut braucht keine besonders reichhaltige Nachtpflege. Dann sind leichtere Texturen und Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure, die Feuchtigkeit spenden, die bessere Wahl (wie Hyaluron Nachtpflege Légère von Medipharma, Avène Cleanance Women glättende Nachtcreme). Für Haut, die zu Allergien neigt oder überempfindlich reagiert, gibt es spezielle Produkte ohne Alkohol und Duftstoffe, die gezielt Irritationen lindern. Thermalwasser wirkt zusätzlich beruhigend (wie Roche Posay Toleriane Dermallergo Nacht).
Wie gestaltet man am effektivsten das abendliche Pflegeproramm?