PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Haltung
-
Tacheles reden als dritte Instanz

In Zeiten wie diesen, in denen polarisierende Diskussionen harte Konflikte in zwischenmenschliche Beziehungen fressen, braucht es diejenigen, die Tacheles reden. Eine Trainerin für Schlagfertigkeit erklärt den richtigen Umgang mit »Tacheles«.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 03.07.2026  16:00 Uhr

Der richtige Ton

»Tacheles bedeutet übrigens nicht, Beziehungen zu zerstören oder Patienten rauszuwerfen. Tacheles bedeutet zu sagen, lieber Kunde, bei uns herrscht ein anderer Ton«, betont Staudinger. Und wie kann PTA auch wenn Tacheles nötig ist, freundlich bleiben? »Der Schlüssel ist immer der Tonfall. Sie können im richtigen Ton alles sagen und im falschen nichts.«

Sie nennt ein Beispiel: »Wenn ich einen Patienten vor mir habe, der mir sagt, das Medikament koste in der Online-Apotheke 3 Euro weniger, dann sagt die eine vielleicht pampig: ›Bitte, dann bestellen Sie halt dort.‹ Dann wird der Kunde für immer weg sein. Die andere wird sagen: ›Da haben Sie völlig Recht. Dafür fragt in der Online-Apotheke aber auch niemand nach den Wechselwirkungen, und da könnten wir das nette Gespräch, was wir hier gerade haben, auch nicht führen.‹ Und das sei auch Tacheles, aber nicht unfreundlich.

Akkus aufladen

Ein wesentlicher Punkt für eine gelingende Kommunikation laut Staudinger: »Eine PTA hat auch die Aufgabe, darauf zu achten, dass ihre Akkus nicht leerlaufen. Und deswegen gehört zu Tacheles unglaublich viel vorbeugende Kommunikation im Team.« So etwa, dass man aufeinander achtgebe, zum Beispiel sage: »Ich glaube, du kannst mal eine Pause brauchen, geh mal nach hinten.« Und dass man sich Backstage in der Apotheke Raum schafft, um schnell wieder aufzutanken. Eine PTA müsse wissen, was sie für ihre eigene Resilienz machen kann. Das sei für all jene essenziell, »die dem direkten Kontakt mit Menschen in besonderen Situationen den ganzen Tag so ausgeliefert sind«.

Um wieder Kraft zu gewinnen und sie zu erhalten, rät Staudinger zum abendlichen Schreiben: »Was hat heute dazu beigetragen, dass es ein guter Tag war und was war notwendig, um mir die gute Laune zu entziehen?« Damit komme man den eigenen Triggern auf die Spur und könne den Alltag so gestalten, dass man resilienter wird. »Es ist ganz wichtig, zu lernen, dass man selbst kein Fähnchen im Wind ist, nicht übermäßig von den Launen der Mitmenschen, vom Wetter oder der Nachrichtenlage abhängig. Wer so auf sich achten lernt, schafft die Grundlage für gute Kommunikation«, sagt Staudinger.

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa