PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Haltung
-
Tacheles reden als dritte Instanz

In Zeiten wie diesen, in denen polarisierende Diskussionen harte Konflikte in zwischenmenschliche Beziehungen fressen, braucht es diejenigen, die Tacheles reden. Eine Trainerin für Schlagfertigkeit erklärt den richtigen Umgang mit »Tacheles«.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 03.07.2026  16:00 Uhr

Wenn Menschen Haltung zeigen, also Tacheles reden, haben sie ein mächtiges Instrument gegen rassistische oder sexistische Äußerungen. Bestseller-Autorin Nicole Staudinger sieht Tacheles in der Apotheke aber erst als die dritte Instanz der Kommunikation, erklärte sie im Gespräch mit PTA-Forum.

»Tacheles ist ein Werkzeug, das man im besten Fall nicht braucht, insbesondere nicht als PTA«, so die 44-Jährige Autorin. Der Grund sei die vulnerable Zielgruppe inklusive deren Angehörige. »Hier würde ich immer an erster Stelle zur freundlichen humorvollen Schlagfertigkeit aufrufen und zu einer Atmosphäre in der Apotheke, die von guter Kommunikation geprägt ist.« Diese Schlagfertigkeit hilft etwa, wenn ein Kunde ein bisschen deutlicher wird und zum Beispiel sagt, »Bei Ihnen geht immer alles so langsam.« Dann sei es die Schlagfertigkeit, die ermögliche, die Technik der Umdeutung zu zücken und zu antworten: »Unter langsam verstehen Sie bestimmt, dass wir uns für jeden Patienten Zeit nehmen, so wie auch gleich für Sie.«

Das Bild vom anderen

Gute Kommunikation brauche man auch bei Konflikten im Kollegenkreis und Richtung Vorgesetzte, das sei die zweite Instanz. Denn die Schlagfertigkeit rettet einem nur die Situation, sie löst keine Konflikte. Wie hier die Gespräche laufen, hängt laut Staudinger vom eigenen Menschenbild ab. »Solange ich glaube, die Kollegin ist eine blöde Kuh und will dauernd vor mir den Urlaub buchen, gehe ich am besten in gar keine Kommunikation. Dann mache ich erst mal, was mir guttut wie zum Beispiel zum Sport gehen, bevor ich mit ihr rede«, so Staudinger. Konflikte lösen könne nur gelingen, wenn man den anderen grundlegend mit »liebenden Augen« sehe.

Die dritte Instanz, nämlich Zeit für Tacheles, »ist dann gefragt, wenn ich hinter dem HV mitbekomme, dass ein Kunde den anderen Kunden zum Beispiel rassistisch angeht oder sexistisch«, erklärt die Kommunikationstrainerin. Das heißt, die Fähigkeit, auch dann die eigene Stimme zu erheben, wenn es nur sekundär um einen selbst geht. »Wenn ich die Haltung vertrete ›wenn ich jetzt was dazu sage, dann vergraule ich den Kunden‹, dann zeige ich an dieser Stelle keine Haltung«. PTA können die Haltung als Angestellte aber nicht aus sich heraus festlegen, sondern vielmehr müsse vonseiten der Vorgesetzten klar sein, für was die Apotheke steht.

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa