| Isabel Weinert |
| 07.09.2026 16:00 Uhr |
Wenn eine »Macherin« und eine Zurückhaltende ein Team für einen Bereich bilden, kann das helfen, Ängste abzubauen. / © Getty Images/Dario Secen
Wer gerne und proaktiv Aufgaben an sich zieht, schöpft zumeist aus einer gesunden Mischung, bestehend aus intrinsischer Motivation, aus den erlernten Fähigkeiten und aus positiven Erfahrungen, die man damit gemacht hat. So stärkt es zum Beispiel das Vertrauen in die eigenen Kräfte, wenn man einen Medikationsfehler aufgedeckt und einen Patienten vor Schaden bewahrt hat, wenn Kunden oder Kundinnen häufiger Lob für die eigene Beratung äußern oder man es auch in großer Hektik schafft, Ruhe auszustrahlen und damit die Anspannung im Team zu senken. Diese Erfahrungen fördern die sogenannte Selbstwirksamkeit, also die feste innere Überzeugung eines Menschen, durch eigenes Handeln und eigene Fähigkeiten Schwierigkeiten oder Unbekanntes angehen und lösen zu können. Menschen, die gerne Verantwortung übernehmen, haben oft auch ein ausgeprägtes Streben nach Autonomie. Es ist ihnen wichtig, selbstbestimmt handeln und eigene Entscheidungen treffen zu können. Dieses Gefühl der Autonomie bestätigt sie auch darin, dass sie ein wichtiges Rädchen im Getriebe sind und dass ihre Aufgabe bedeutsam ist. Nicht zuletzt möchten Menschen mit der Übernahme von Verantwortung zeigen, was sie können, sie streben danach, sich weiterzuentwickeln. Das Zepter in der Hand zu halten und zu sehen, dass ihr eigenes Handeln Dinge bewegt, bereitet ihnen einfach Freude.
Menschen, die Verantwortung scheuen, profitieren von jenen, die sie nur allzu gerne übernehmen: So wenden sie sich etwa bei jeder Kleinigkeit an die Kollegin, geben schwierigere Aufgaben gerne und umgehend an andere ab, bevorzugen klar umrissene Abläufe, in denen ihr Handlungsspielraum begrenzt ist, und machen nur das Nötigste, engagieren sich also nicht über das hinaus, was sie unbedingt müssen. Diesem Verhalten liegt nicht zwingend Bequemlichkeit zugrunde. Vielmehr werden diese Menschen eher von der Angst vor Fehlern geleitet, sie haben womöglich eher ein geringes Selbstvertrauen, möchten sich aus unterschiedlichen Gründen schonen oder man bestrafte sie vielleicht auch für Fehler, die sie in der Vergangenheit mal gemacht haben.