| Isabel Weinert |
| 07.09.2026 16:00 Uhr |
In den Beweggründen liegen auch bereits die Lösungen, um solche Mitarbeitende aus ihrem Schneckenhaus zu holen: Zunächst braucht das Apothekenteam eine positive Fehlerkultur. Das heißt, Fehler gelten als Lernchance und nicht als zu bestrafende Fehltritte. Andere PTA oder Vorgesetzte können den scheueren Menschen schrittweise kleine und überschaubare Aufgaben übertragen und den Verantwortungsbereich dann steigern, wenn sich erste Erfolge eingestellt haben.
Um den Mitarbeitenden die Sicherheit zu geben, die sie für gute Arbeit brauchen, helfen fest abgesteckte Rahmen, die aufzeigen, in welchen Fällen die Mitarbeiterin ein Problem selbst lösen und wann sie nachfragen sollte. Kommt sie dennoch mit Fragen, die sich eignen, eine ihr zugewiesene Aufgabe zu delegieren, hilft die Antwort: »Wie würdest du es lösen?« Eigenständiges Handeln zu loben, stärkt scheue Menschen, sich immer mehr zuzutrauen. Ganz wichtig für das ganze Team: hintereinander stehen und füreinander einstehen, wenn jemand einen Fehler macht, aber auch, wenn jemand von Kunden niedergemacht wird. Das Wissen, Teil eines Teams zu sein, das gemeinsam beruflich durch dick und dünn geht und zusammensteht, kann zurückhaltenden Menschen helfen, Ängste abzubauen.
Man muss in jedem Fall darauf aufpassen, dass im Team die Balance stimmt. Denn die, die gerne und selbstständig Aufgaben übernehmen und erledigen, nehmen mit ihrem Verhalten mitunter auch den anderen die Chance, für sich dazuzulernen und eigenständiger zu werden. Zum einen verlassen sich die Menschen darauf, dass es die eine »schon wuppen wird«, das kann sehr bequem sein. Zum anderen werden sie ausgebremst, selbst wenn sie gerne immer mal mehr Initiative zeigen würden. Das zu erkennen, ist Sache der Apothekeleitenden. Hier können sie in Gesprächen konstruktiv gestalten, dass sich die »Macherin« auch mal zurücknimmt und die Zurückhaltende initiativ wird und es werden darf.
Eine sinnvolle Aufgabenverteilung für PTA könnte etwa die Bereiche Rezeptur und Labor, Digitales und Social Media, Heim- und Palliativversorgung, Qualitätsmanagement und Arbeitssicherheit sowie BTM-Dokumentation und Revisionsvorbereitung umfassen. Für jeden Bereich wäre eine PTA hauptverantwortlich zuständig. Die zurückhaltenden Kolleginnen könnten als Zweiergruppe starten oder in einem Tandem mit einer »Macherin«. Kurze morgendliche Teamrunden tragen hier dazu bei, alle auf den gleichen Stand des Wissens zu bringen, von Erfolgen, Fehlern und Neuerungen kurz zu berichten.