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Blasenentzündung vorbeugen
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Was können Immuntherapien?

Für Frauen, die immer wieder unter Harnwegsinfekten leiden, scheint effektive, dauerhaft wirksame Hilfe mitunter aussichtslos. Für viele bleiben Antibiotika bei den ersten Symptomen und nur für kurze Zeit die einzig wirksame Option. Aber wie sieht das mit Immuntherapien aus?
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 28.08.2026  12:00 Uhr

Schwächere Option

Das zweite Immuntherapeutikum zur Prophylaxe rezidivierender Harnwegsinfekte ist Strovac®. Der Totimpfstoff aus verschiedenen inaktivierten Stämmen von Enterobakterien hat in der AWMF-Leitlinie den Empfehlungsgrad C. Das heißt, es handelt sich um eine »Kann«-Empfehlung. Sie ist also offen, weder ein »soll« noch ein »sollte«, und eine schwächere Option. Das liegt daran, dass direkte, aussagekräftige klinische Studien fehlen und vor allem Expertenmeinungen, Konsens oder klinische Erfahrung für die Evidenz verantwortlich sind.

Strovac wird über drei Spritzen von je 0,5 ml intramuskulär verabreicht, alle ein bis zwei Wochen erfolgt eine der drei Injektionen. Das ist die Grundimmunisierung. Ein Jahr später erfolgt eine Auffrischung. Ab dem 16. Lebensjahr dürfen Menschen das Medikament erhalten. Die inaktivierten Bakterienstämme, überwiegend Escherichia coli, daneben Proteus mirabilis, Morganella morganii, Enterococcus faecalis und Klebsiella pneumoniae aktivieren das Immunsystem, steigern die Arbeit der Makrophagen und sorgen für die Bildung spezifischer Antikörper und Gedächtniszellen. Soweit die Mechanismen zur Erklärung der Wirkung.

Aber warum gibt es diese Diskrepanz zwischen den Erwartungen, die die Wirkmechanismen wecken, und der tatsächlichen Wirksamkeit? Zum einen erklärt man sich die Diskrepanz damit, dass nicht alle möglichen Erreger in den Medikamenten vorkommen. Zum anderen hilft zwar eine gestärkte Immunantwort der Blasenschleimhaut, dass sich bestimmte Bakterien nicht anheften können, sie kann aber mechanische oder hormonelle Ursachen häufiger Blasenentzündungen nicht beeinflussen. Ein weiterer Punkt liegt in der Art der Reaktion von Teilen des Immunsystems.

Per Sprühstoß

Ein in Deutschland nicht zugelassenes Medikament, der sublinguale Impfstoff MV140 (Uromune®), zeigt in einigen Studien eine gute und oft überlegene Wirksamkeit bei wiederkehrenden Blasenentzündungen. Dieses bereits  über die Mundschleimhaut wirkende Medikament enthält vier inaktivierte Bakterienstämme (E. coli, Klebsiella pneumoniae, Enterococcus faecalis und Proteus vulgaris) zu gleichen Teilen. Und obwohl Strovac mit zehn verschiedenen Stämmen aus fünf Spezies sogar mehr Erreger enthält, schneidet MV140 besser ab, so die derzeitige Studienlage.

Wie kann das sein? Strovac wird intramuskulär verabreicht. Das hat vorrangig eine systemische Immunantwort zur Folge, weniger eine lokale in der Blasenschleimhaut. Bei Uro-Vaxom, das oral verabreicht wird, entscheiden Magensäure, Verdauungsenzyme und individuelle Unterschiede im Mikrobiom mit darüber, wie stark die verabreichten Antigene tatsächlich als Signal aufgenommen werden, dessen Effekt dann in der Blasenschleimhaut abwehrstärkend wirken könnte. Das Erregerspektrum beschränkt sich auf den aufgereinigten Extrakt aus abgetöteten Bakterien von 18 verschiedenen Serotypen Escherichia coli. Andere häufige Auslöser für Blasenentzündungen fehlen.

MV140 hingegen wird sublingual unter die Zunge gesprüht. Dort befindet sich lymphatisches Gewebe, das das schleimhautassoziierte lymphatische System (MALT für »Mucosa-Associated Lymphoid Tissue«) aktiviert. Es werden gezielt T-Helferzellen umgesteuert, was eine fehlerhafte, chronisch-entzündliche Th2-Immunantwort der Blasenwand  unterdrückt und Th1- sowie Th17-Zellen stark aktiviert. Diese Mechanismen fördern eine lokale und systemische zelluläre Abwehr, die sowohl Erreger von außen als auch das eigene Blasenmikrobiom in der Balance hält.

MV140 enthält intakte, hitzeinaktivierte Bakterien, wodurch die Antigene der gesamten Bakterienzellen intakt bleiben. Das hilft dem Immunsystem beim exakten Lernen. Noch dazu aktivieren die Antigene sogenannte Toll-Like-Rezeptoren (TLR), woraus eine starke trainierte Immunität erwächst. Strovac hingegen besteht aus chemisch inaktivierten Zellbestandteilen. Das Verfahren zur Herstellung kann wichtige Bindungsstellen zerstören oder so verändern, dass das Immunsystem sie schlechter erkennen kann.

Die gleichmäßige Verteilung der Erreger in MV140 bewirkt eine gleichmäßig starke spezifische Abwehr, während bei Strovac einzelne Antigene wegen der vielen Stämme in einer Injektion dominieren können und so die Reaktion des Immunsystems ungleichmäßig ausfällt. Eine Rolle scheint auch zu spielen, dass MV140 drei Monate täglich unter die Zunge gesprüht und damit das Immunsystem kontinuierlich mit der simulierten Bedrohung konfrontiert wird.

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