PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Kosmetika
-
Welche Pflege das Hautmikrobiom stärkt

Mikrobiomfreundlich, Hautflora unterstützend, probiotische Wirkung: Kosmetika, die das Hautmikrobiom stärken sollen, werden mit allerlei Begrifflichkeiten ausgelobt. Was stimmt – und was nicht? Wir haben mit der Dermatologin und Mikrobiomspezialistin Professorin Dr. Michaela Axt-Gadermann gesprochen.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 15.10.2026  12:00 Uhr

Verdrängung als Therapieansatz

Kosmetische Zubereitungen mit lebenden Bakterien gebe es nur sehr wenige, doch ihre Effekte in der Therapie von Hauterkrankungen seien bemerkenswert, schreibt Axt-Gadermann in ihrem Buch. So haben argentinische Wissenschaftler nachgewiesen, dass Wundauflagen mit lebenden Lactobacillus-plantarum-Bakterien bei Verbrennungswunden die Haut schneller und narbenärmer heilen lassen als die klassische Wundversorgung mit desinfizierender Silberbeschichtung. Lactobacillus paracasei scheint wirkungsvoll bei Kopfschuppen zu sein. Und eine kosmetische Anti-Aging-Zubereitung mit Cutibacterium acnes defendens – eigentlich als Aknebakterium bekannt – konnte das Hautbild insgesamt verbessern und die Faltentiefe verringern.

»In eigenen Studien konnten wir die Verdrängungseffekte des Bakterienkomplexes Baplexin® 621 bei Neurodermitis, Fußpilz und Fußgeruch nachweisen«, berichtet die Dermatologin über die Fixkombination aus neun entzündungshemmenden Bakterienstämmen (in Omnibiotic® Skin Hautbad, Fußbad oder Pflegesalbe). Besonders die Ergebnisse bei Neurodermitis seien eindrucksvoll.

»Nur lebende Bakterien ­können sich in die Haut­barriere ­integrieren und ausbreiten.«
Professorin Dr. Michaela Axt-Gadermann

Dazu muss man wissen, dass bei dieser chronisch entzündlichen Erkrankung Staphylococcus aureus alle anderen Hautbewohner an den entzündeten Stellen überwächst; die Diversität der Mikrobengemeinschaft verringert sich. Und – so erzählt Axt-Gadermann – es bestehe eine enge Korrelation der Menge von S. aureus mit dem Schweregrad des Hautbildes. »Durch regelmäßige Bäder in der Bakterienmischung ließe sich in placebokontrollierten Studien die Konzentration von S. aureus innerhalb von 14 Tagen ohne weitere Therapien um 84 Prozent zurückdrängen und gleichzeitig die Vielfalt des Mikrobioms erhöhen. Der Schweregrad der Neurodermitis besserte sich deutlich sichtbar, und zwar umso effektiver, desto stärker der Ausgangsbefund war. Entzündungsparameter nahmen ab, genauso wie Juckreiz, Trockenheitsgefühl und Schlafstörungen.« Zusatzbenefit: Im Gegensatz zur Therapie mit Glucocorticoiden bleibe die Haut nach dem Absetzen viele weitere Wochen deutlich gebessert, berichtet sie.

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa