Auch die Lipidkomponente dermaler Formulierungen hat Einfluss auf die Hautbarrierefunktion. Axt-Gadermann präferiert pflanzliche Öle, da sie teils ähnlich zusammengesetzt sind wie die natürlichen Fette unserer Haut, also Ceramide, Squalan, Fettsäuren und Cholesterol. »Die Inhaltsstoffe einiger Pflanzenöle ähneln den Substanzen auf unserer Haut. Sie können sich daher gut in die Hautbarriere integrieren und deren Regeneration unterstützen. Manche wirken zusätzlich entzündungshemmend.«
Vor allem Jojobaöl sei ein echter Allrounder. »Es integriert sich gut in die Barriere, ist in der Regel hervorragend verträglich und bietet einen Schutz vor freien Radikalen. Dazu ist es nicht komedogen. Studien zeigen eine ähnlich gute Wirkung wie Ceramide.« Das liegt vermutlich daran, dass es chemisch gesehen kein klassisches Öl ist, sondern ein flüssiges Wachs, das den eigenen Hautlipiden ähnelt.
Auch Sonnenblumen-, Weizenkeim- und – mit Abstrichen wie einem unangenehmen Geruch – Kokosöl erfüllten diese Kriterien in vielen Punkten (wie in Hyalusome® Konzentrat Gesichtsfluid von Dermasence, Freiöl® Pflegeöl und Figuröl oder Nutritic® Intense von La Roche Posay). Vom allseits beliebten Olivenöl riet die Dermatologin für die Verwendung auf der Haut dagegen ab. »Oleinsäurereiche Küchenklassiker wie Olivenöl und auch Arganöl sind bei empfindlicher Haut eher mit Vorsicht zu sehen. Oleinsäure integriert sich nicht in die Barriere. Es lockert dagegen den mauerartigen Aufbau der Hornschicht auf, reduziert die Stabilität und erhöht die Durchlässigkeit.« Studien mit Säuglingen und Kleinkindern mit Ekzemen oder Neurodermitis sprächen eine deutliche Sprache.
Und was ist mit ätherischen Ölen? Lavendel-, Rosmarin-, Thymian-, Teebaum- oder Zitrusöle finden sich häufig in Naturkosmetik. Darin übernehmen sie häufig eine Doppelfunktion: Sie ersetzen zum einen synthetische Duftstoffe, und zum anderen halten sie aufgrund ihrer starken antimikrobiellen Wirkung die Formulierung keimfrei.
Und hier ist der Link zur mikrobiomschonenden Hautpflege: »Ätherische Öle können auch in niedrigen und mittleren Konzentrationen das Hautmikrobiom schädigen«, weiß Axt-Gadermann. »Insofern sind sie synthetischen Konservierungsstoffen zur Haltbarmachung auf keinen Fall überlegen. Besonders Menschen mit sensibler oder vorgeschädigter Haut sollten Zubereitungen mit ätherischen Ölen meiden. Sie bringen nämlich noch zwei weitere Negativaspekte mit sich: Sie schädigen die Hautbarriere und haben oft starkes allergisierendes Potenzial.«