| Sven Siebenand |
| 25.02.2026 16:00 Uhr |
Gallenblasenkrebs und das Cholangiokarzinom zählen zu den biliären Karzinomen. Etwa ein Viertel aller biliären Karzinome ist HER2-positiv. Hohe HER2-Konzentrationen tragen dazu bei, dass die Krebszellen schneller wachsen, was mit schlechteren Überlebenschancen im Vergleich zu HER2-negativer Erkrankung verbunden ist. Der neue Antikörper Zanidatamab (Ziihera® 300 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Jazz Pharmaceuticals) ist die erste HER2-gerichtete Therapie, die in der EU für HER2-positive biliäre Karzinome eine Zulassung erhalten hat.
Zanidatamab ist ein bispezifischer Antikörper. Mit beiden »Armen« greift der Wirkstoff zum HER2-Rezeptor. Zum einen bindet er an die extrazelluläre Domäne 2 und zum anderen an die Domäne 4 auf separaten HER2-Monomeren. Dies führt zur Internalisierung des Antikörper-Rezeptor-Komplexes und damit zur Reduzierung der HER2-Rezeptordichte auf der Oberfläche von Krebszellen. Zanidatamab induziert zudem komplementabhängige Zytotoxizität, antikörperabhängige zelluläre Zytotoxizität und antikörperabhängige zelluläre Phagozytose. Diese Mechanismen führen gemeinsam zur Hemmung des Tumorwachstums und zum Absterben der Tumorzellen.
Zugelassen ist Zanidatamab als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-positivem biliären Karzinom, die zuvor mit mindestens einer systemischen Therapie behandelt wurden. Vor Therapiestart muss mittels Test nachgewiesen worden sein, dass der betreffende Patient einen HER2-positiven Tumorstatus aufweist (IHC 3+).
Die empfohlene Dosis von Ziihera beträgt 20 mg/kg und wird als intravenöse Infusion alle zwei Wochen verabreicht. Die Therapie erfolgt bis zur Progression der Erkrankung oder bis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität. Eine Prämedikation mit einem Corticosteroid, einem Antihistaminikum und einem Antipyretikum wird in der Fachinformation empfohlen. Sie sollte 30 bis 60 Minuten vor jeder Infusion verabreicht werden. Die Funktion des linken Herzventrikels muss zu Beginn und in regelmäßigen Abständen während der Behandlung beurteilt werden. Bei linksventrikulärer Funktionsstörung wird die Dosis angepasst.
Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen der Therapie zählen unter anderem Durchfall, infusionsbedingte Reaktionen, Ermüdung/Fatigue, Anämie und Ausschlag.
Aufgrund des Wirkmechanismus kann Zanidatamab den Fötus schädigen, wenn es bei Schwangeren angewendet wird. Patientinnen sollten darauf hingewiesen werden, während der Anwendung von Ziihera eine Schwangerschaft zu vermeiden. Vor Beginn der Behandlung sollte eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.
Patientinnen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Ziihera und für vier Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob die Frau das Stillen unterbricht oder ob auf die Behandlung mit dem neuen Antikörper verzichtet wird. Beide neuen Präparate sind im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern.