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Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff
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Andes-Typ bei Passagieren nachgewiesen

Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff »Hondius« beschäftigt weiterhin die Gesundheitsbehörden in mehreren Ländern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bewertet ihn nicht als Beginn einer neuen Pandemie. Mittlerweile gibt es Hinweise, dass Viren vom Andes-Typ für die Infektionen verantwortlich sind.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 08.05.2026  13:45 Uhr

In Deutschland sind andere Hantaviren heimisch

Auch in Deutschland sind einige Spezies heimisch, berichtet Dr. Roland Schwarzer vom Institut für die Erforschung von HIV und AIDS-assoziierten Erkrankungen am Universitätsklinikum Essen gegenüber dem Science Media Center Deutschland. »In Deutschland und Europa treten vor allem sogenannte Alte-Welt-Hantaviren auf, insbesondere Puumala- und Dobrava-Belgrad-Viren.« Diese könnten ebenfalls relevante Erkrankungen verursachen, sie gelten jedoch im Vergleich zu den Andes-Hantavirus-Infektionen als weniger letal.

Keine Verbreitung wie Erkältungserreger

Trotz des Nachweises des Andes-Typs bei den Passagieren könne man nicht automatisch von einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung der Viren in diesen Fällen ausgehen, sagt Schwarzer. »Dafür wären unter anderem eine genaue Rekonstruktion der Kontakte, der Erkrankungszeitpunkte, möglicher gemeinsamer Expositionen sowie Virus-Sequenzdaten erforderlich.« Bei bekannten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen fanden diese vor allem über enge und länger andauernde Kontakte, beispielsweise im Haushalt, bei Pflege oder engem körperlichen Kontakt statt. Das Virus verbreite sich nicht wie klassische Erkältungserreger effizient über die Luft, so Schwarzer.

»Für Passagiere, Besatzung und Kontaktpersonen bedeutet die Bestätigung der Andes-Variante vor allem, dass eine sorgfältige Kontaktpersonennachverfolgung, Symptomüberwachung und rasche Abklärung bei Beschwerden wichtig sind.« Aufgrund der möglichen längeren Inkubationszeit könne eine Überwachung über mehrere Wochen sinnvoll sein.

Zwar kann das Hantavirus mit Hilfe eines PCR-Tests oder eines Antikörpertests nachgewiesen werden. Diese Verfahren sind aber nicht absolut sicher. Eine Impfung oder ein Medikament gegen Hantaviren gibt es derzeit nicht.

Risiko für öffentliche Gesundheit gering eingeschätzt

»Dies ist eine ernste Lage, aber die WHO betrachtet das Risiko für die öffentliche Gesundheit als gering«, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstag in Genf. »Dies ist nicht der Beginn einer Pandemie«, betonte die amtierende Nothilfekoordinatorin, Maria van Kerkhove. Ein Vergleich mit dem Start der Corona-Pandemie vor sechs Jahren sei nicht angebracht.

Auch Dr. Martin Eiden, Leiter des Referenzlabors für Hantaviren am Friedrich-Loeffler-Institut, Greifswald-Insel Riems, ordnet das Ausbruchsgeschehen auf dem Schiff ähnlich ein: »Es handelt es sich dabei jedoch nicht um ein Anzeichen für eine neue globale Bedrohung, sondern vielmehr um einen seltenen und lokal begrenzten Vorfall.« Mit einer weiteren Verbreitung des Andes-Virus in Europa sei nicht zu rechnen, vor allem weil natürliche tierische Wirte wie Reisratten oder Zwergreisratten hierzulande nicht vorkommen. Eiden zufolge bestehe kein Grund zur Besorgnis, aber »für eine sorgfältige wissenschaftliche Beobachtung des Geschehens«.

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