| Verena Schmidt |
| 23.07.2026 08:00 Uhr |
Ist kein Lösungsmittel in der Zubereitung enthalten, muss der Feststoff suspendiert verarbeitet werden. Beispiele für halbfeste Zubereitungen sind Emulsionen und bei höherem Feststoffanteil weiche und harte Pasten, für flüssige Zubereitungen etwa viskose Suspensionslösungen zum Einnehmen oder kutan anwendbare Suspensionen mit höherem Feststoffanteil, auch Schüttelmixturen genannt. »Suspensionsemulsionen kommen in der Apotheke häufig vor, da sich etwa Glucocorticoide nicht in den üblichen Grundlagen lösen«, nannte Tieke ein Beispiel.
Nach ihrem Feststoffanteil lassen sich Suspensionszubereitungen folgendermaßen einteilen:
Tieke betonte, dass die Partikel unterschiedliche Formen und Größen besitzen können. »Gerade wenn Sie in einer Suspension verschiedene Partikel zusammenbringen wollen, sollte das Ganze miteinander noch einmal homogenisiert werden.« Das heißt: den Mörser erst mit Aerosil® (Siliciumdioxid) auskleiden, dann alles zusammen mörsern, um es auf eine Teilchengröße zu bringen. »Die feine Körnung ist wichtig, um eine gleichmäßige Verteilung durch eine möglichst enge Partikelgrößenverteilung zu ermöglichen. Das gewährleistet die Dosiergenauigkeit«, so die Rezepturexpertin. Die Apotheke könne sich Arbeit und Zeit sparen, indem sie industriell mikronisierte Feststoffe verarbeite. Aber hierbei sollte man wissen: Die Kennzeichnung »mikronisiert« ist in der Industrie nicht einer bestimmten Teilchengröße zugeordnet.
»Suspensionen selbst zu entwickeln, das ist keine einfache Aufgabe«, sagte Expertin Tieke. Normalerweise sinkt der Wirkstoff nach unten, da er eine höhere Dichte als das Dispersionsmittel hat. Es bildet sich ein Niederschlag, es kommt also zur Sedimentation. Voraussetzung dafür ist, dass sich die disperse Phase ausreichend benetzen lässt. »Ist der Feststoff nicht gut benetzt oder entstehen beim Anreiben Lufteinschlüsse, ist die Dichte geringer und der Feststoff wandert zur Oberfläche«, beschrieb Tieke ein Problem, das vor allem bei hydrophoben Stoffen auftritt – diesen Vorgang nennt man auch Aufrahmen oder Flotation.
Prinzipiell ist die Bildung eines Niederschlags bei einer Suspension erlaubt – er muss sich jedoch wieder homogen aufschütteln lassen. Bei jeder individuell hergestellten Suspensionslösung muss das überprüft werden. »Es darf nicht passieren, dass beim Schütteln einzelne Klümpchen entstehen.« Wichtig ist laut Tieke außerdem, dass die Flüssigkeit so viskos ist, dass der Feststoff nach dem Aufschütteln für eine gewisse Zeit in der Schwebe bleibt, mindestens so lange, wie der Patient braucht, um die Flüssigkeit zu applizieren.
Die Aufschüttelbarkeit wird in drei Stufen geprüft:
Das Ziel: »Auch nach der dritten Stufe sollte noch eine homogene Verteilung des Feststoffs erfolgen, ohne Klumpen und ohne Caking«, verdeutlichte Tieke. Sie appellierte: »Sie müssen das Sedimentationsverhalten beurteilen: Haben Sie hier eine behinderte oder unbehinderte Sedimentation?« Bei einer behinderten Sedimentation kommt es zu einer Assoziation von Partikeln zu Flocken – die größeren Partikel ziehen die kleineren dann mit nach unten. Eine behinderte Sedimentation erkenne man daran, dass die Flüssigkeit über dem Sediment schnell klar wird. »Das birgt die Gefahr, dass sich die Suspension nicht gut aufschütteln lässt und es zu einer Verklumpung kommt.« Bei individuell hergestellten Suspensionslösungen sollte man aus diesem Grund auch immer nur eine Haltbarkeit von vier Wochen angeben, riet PTA Tieke.
Wie lässt sich eine solche Suspension nun stabilisieren? Unpolare Stoffe könne man mit Tensiden anreiben (zum Beispiel Tween 20 oder Tween 80), so Tieke. Man könne auch die Feststoffe benetzen, bei einer wässrigen Lösung etwa mit Glycerol 85 % oder Propylenglycol (nur bei erwachsenen Patienten!), bei einer öligen Lösung mit mittelkettigen Triglyceriden. Das Verreiben mit mikrokristalliner Cellulose oder hochdispersem Siliciumdioxid ermöglicht eine feine Verteilung des Feststoffs. Weiter gilt: Temperaturschwankungen vermeiden, Rührtechnik gegebenenfalls anpassen und Zeit zum Entschäumen lassen. Hilfreich kann auch sein, die Dichte der Flüssigkeit durch ein Verdickungsmittel zu erhöhen. Bei oralen Lösungen ist Hydroxyethylcellulose das Mittel der Wahl, möglich sind aber auch Glycerol 85 % und Propylenglycol. Andere Verdickungsmittel wie Tragant, Xanthangummi oder vorverkleisterte Stärke seien dagegen weniger geeignet.