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Neueinführungen
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Fünf neue Wirkstoffe zum 1. Oktober

Zum Beginn des vierten Quartals 2026 kamen fünf neue Wirkstoffe in den deutschen Handel. Ihr Einsatzgebiet ist breit gefächert – von Lungenkrebs über Multiple Sklerose bis zum Rett-Syndrom.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 12.10.2026  08:00 Uhr

Brutonkinase-Hemmer bei Multipler Sklerose

Mit Tolebrutinib (Cenrifki® 60 mg Filmtabletten, Sanofi) gibt es erstmals einen Vertreter aus der Klasse der Brutonkinase-Hemmer in der Indikation Multiple Sklerose. Zugelassen ist der Wirkstoff zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit sekundär progredienter Multipler Sklerose (SPMS) ohne Schübe in den vergangenen zwei Jahren.

Das Enzym Bruton-Tyrosinkinase (BTK) ist wichtig für das Wachstum von B-Zellen. Bei MS spielen diese Immunzellen eine Schlüsselrolle bei der Förderung von Entzündungen im zentralen Nervensystem, indem sie Immunreaktionen aktivieren und Stoffe produzieren, die die Nervenzellen und ihre schützende Myelinhülle schädigen.

Tolebrutinib hemmt das Enzym und reduziert damit die Aktivierung von B-Zellen. Hinzu kommt, dass BTK an der Aktivität von Mikroglia und Makrophagen beteiligt ist. Diese tragen bei MS zu chronischen Entzündungen und Schäden bei. Der Kinasehemmer kann durch seinen Wirkmechanismus Entzündungsprozesse reduzieren und das Fortschreiten von MS bremsen. Die empfohlene Dosis beträgt 60 mg einmal täglich. PTA und Apotheker sollten dazu raten, die Filmtabletten zu einer Mahlzeit einzunehmen.

In der Fachinformation von Cenrifki nehmen Sicherheitsmaßnahmen zur Minderung des Risikos eines Leberschadens breiten Raum ein: Um das Risiko eines erheblichen oder irreversiblen arzneimittelbedingten Leberschadens zu minimieren, sind Bluttests auf die Leberenzyme ALT, AST und alkalische Phosphatase sowie auf Bilirubin vor Beginn der Behandlung, in den ersten zwölf Wochen der Behandlung wöchentlich und in den Monaten vier bis zwölf monatlich durchzuführen. Zwischen dem 12. und 24. Monat sind sechsmonatige Kontrollen durchzuführen. Anschließend können regelmäßige Kontrollen bei Bedarf erfolgen. Gegebenenfalls muss die Therapie unterbrochen oder beendet werden.

Kontraindiziert ist Tolebrutinib bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Leberfunktionsstörung. Ebenfalls tabu ist der Wirkstoff bei Patienten mit einem Serumwert vor Therapiebeginn von ALT oder AST von mehr als dem 1,5-Fachen der oberen Normgrenze (ULN), der alkalischen Phosphatase von mehr als dem 2-Fachen der ULN (es sei denn, dies ist auf eine stabile chronische Lebererkrankung zurückzuführen) oder des Gesamtbilirubins von mehr als dem 1,5-Fachen der ULN (es sei denn, dies ist auf das Gilbert-Syndrom oder eine nicht leberbezogene Erkrankung zurückzuführen). Ebenfalls kontraindiziert ist die Gabe bei Patienten mit schwerer Immundefizienz.

Sehr häufig kommt es unter Tolebrutinib zu Infektionen der oberen Atemwege, häufig sind Infektionen der unteren Atemwege und der Lunge. Warnhinweise in der Fachinformation klären darüber auf, dass Tolebrutinib dazu führen kann, dass Patienten anfälliger für Infektionen sind. Patienten mit aktiven akuten oder chronischen Infektionen dürfen die Behandlung erst beginnen, wenn die Infektion abgeklungen ist.

Bei der gleichzeitigen Anwendung anderer immunsuppressiver Arzneimittel mit Tolebrutinib ist Vorsicht geboten. Und die Anwendung von (attenuierten) Lebendimpfstoffen kann ein Infektionsrisiko bergen und muss daher vermieden werden. Falls diese Impfungen erforderlich sind, sollten sie mindestens zwei Monate vor Beginn der Behandlung mit Tolebrutinib verabreicht werden.

Einen anderen Warnhinweis gibt es zu Hämorrhagien unter Tolebrutinib-Therapie. Die am häufigsten berichteten Blutungsereignisse waren mukokutane Manifestationen, einschließlich Petechien, Kontusionen, erhöhte Neigung zu blauen Flecken und starke Menstruationsblutungen. Aufgrund des Risikos von Blutungsereignissen ist Vorsicht geboten bei der gleichzeitigen Anwendung von Tolebrutinib mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern.

Auch in Sachen Wechselwirkungen ist einiges zu beachten: Als Vorsichtsmaßnahme sollte die gleichzeitige Anwendung von moderaten oder starken CYP2C8-Inhibitoren mit dem BTK-Inhibitor vermieden werden. Ebenso sollte auf die gleichzeitige Anwendung von Tolebrutinib mit moderaten oder starken CYP3A/2C8-Induktoren verzichtet werden.

Eine Anwendung des neuen Medikaments bei Schwangeren und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob die Behandlung aus-/abgesetzt werden soll.

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