| Verena Schmidt |
| 22.05.2026 16:00 Uhr |
Sonnenschutzmittel enthalten Filtersubstanzen, die große Teile der UV-Strahlung absorbieren beziehungsweise reflektieren. Es gibt zwei große Gruppen von Filtern: Organisch-chemische Filter wandeln UV-Strahlen auf der Haut in Wärmeenergie um. Mineralische Filter wie Zinkoxid oder Titandioxid reflektieren das Sonnenlicht auf der Hautoberfläche. Aber nicht nur: Neuere Studien zeigen, dass die mineralischen Filter das Sonnenlicht auch streuen, bevor es tief in die Haut eindringen kann und dass sie – vor allem bei kleiner Partikelgröße – ebenfalls UV-Photonen absorbieren.
Beide Arten von Filtersubstanzen sind in den vergangenen Jahren auf die eine oder andere Weise in Verruf geraten. So stehen etwa einige chemische UV-Filter in Verdacht, hormonartige Wirkungen im menschlichen Körper hervorzurufen. Prinzipiell möglich ist das, denn die Substanzen penetrieren in die Haut und können daher systemisch aufgenommen werden.
Berühmt-berüchtigt ist in diesem Zusammenhang der UV-Filter Octocrylen: Er steht im Verdacht, hormonähnliche Wirkungen im menschlichen Körper zu entfalten. Sein Zerfallsprodukt Benzophenon, dessen Gehalt mit der Zeit im Sonnenschutzmittel ansteigt, könnte ebenfalls hormonell wirksam und eventuell krebserregend sein. Alte Sonnencreme mit Octocrylen aus dem vergangenen Jahr sollte daher nicht mehr verwendet werden. Zwar sind laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Sonnenschutzmittel, die in der Europäischen Union erhältlich sind – also auch mit Octocrylen–, nicht zu erwarten. Auch das wissenschaftliche Expertengremium der EU-Kommission stuft Octocrylen in kosmetischen Produkten in Konzentrationen von bis zu 10 Prozent als sicher ein. Allerdings wird Octocrylen inzwischen von vielen Herstellern nicht mehr verwendet; die Verpackungen sind oft mit dem sichtbaren Hinweis »Ohne Octocrylen(e)« versehen.
Auch bei einigen anderen chemischen Filtern gibt es gesundheitliche und auch ökologische Bedenken. Octinoxat (auch Octylmethoxycinnamat) und Oxybenzon (Benzophenon-3) stehen ebenfalls in Verdacht, hormonelle Wirkungen zu haben. Dazu kommt, dass sie das Erbgut von Korallen und Fischen schädigen können. Oxybenzon trägt maßgeblich zur sogenannten Korallenbleiche bei: Der Filter verursacht Infektionen in den symbiotischen Algen, die in den Korallen leben. Diese stoßen die Algen ab, verlieren ihre Farbe und verhungern – ganze Riffe können so absterben. In einigen Regionen, beispielsweise auf Hawaii und der Pazifikinsel Palau, sind Sonnencremes mit Oxybenzon und Octinoxat daher verboten. Sonnenschutzprodukte ohne die beiden Filter werden auch zunehmend als »rifffreundlich« beworben.
Daneben ist der Filter Diethylamino-hydroxybenzoyl-hexylbenzoat (DHHB) in der jüngsten Vergangenheit negativ aufgefallen. Das Verbrauchermagazin »Öko-Test« hatte vor rund zwei Jahren sowohl in einigen Kindersonnencremes als auch in Sonnenschutzmitteln für Erwachsene den verbotenen fortpflanzungsschädigenden Weichmacher DnHexP als Verunreinigung gefunden. DnHexP entsteht vermutlich als Beiprodukt bei der Herstellung von DHHB. Die Konzentrationen waren dem BfR zufolge jedoch niedrig, gesundheitliche Gefahren durch die Sonnenschutzmittel bestehen sowohl bei Erwachsenen als auch Kindern nicht.