| Verena Schmidt |
| 15.09.2026 16:00 Uhr |
Auch werden Patienten gerade im Bereich der Komplementär- und Alternativmedizin häufig pflanzliche Stoffe oder Nahrungsergänzungsmittel empfohlen – hier sollten PTA im Beratungsgespräch betonen, dass diese keinesfalls Wundermittel sind, auch wenn sie etwa im Internet häufig so angepriesen werden. In einigen Fällen werden als Belege für die Wirksamkeit solcher »Krebshemmer« sogar wissenschaftliche Studienergebnisse aufgeführt – doch meist handelt es sich hier um Daten aus Laborexperimenten oder Tierstudien, die nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragbar sind.
Ein Beispiel ist der aus Kurkuma gewonnene sekundäre Pflanzenstoff Curcumin, der in Laborstudien ein breites Wirkungsspektrum gezeigt hat. Auf Krebszellen wirkt die Substanz im Labor wachstumshemmend und löst den frühzeitigen Zelltod aus, außerdem wurden synergistische Effekte bei Chemo- oder Strahlentherapie beobachtet. Aber: Fundierte wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit gegen Krebs beim Menschen gibt es bislang nicht. Bei hoch dosierten Extrakten sind Neben- und Wechselwirkungen möglich.
Ein gefährliches Beispiel ist die Substanz Amygdalin (»Laetrile«), die auch als Vitamin B17 bezeichnet wird, aber gar kein echtes Vitamin ist. Amygdalin kommt in bitteren Aprikosenkernen, Mandeln und anderen Kernobstsorten vor, im Körper kann es zu Blausäure verstoffwechselt werden und schwere Vergiftungen bis hin zum Tod auslösen. Die Autoren der S3-Leitlinie »Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen« raten daher unbedingt von der Einnahme ab.
Auch hoch dosiertes Vitamin C – oral oder intravenös – wird mitunter als »natürliche Krebstherapie« vermarktet. Doch die Evidenz ist gering, die verfügbaren Daten stammen aus nicht randomisierten Studien, retrospektiven Studien oder Fallberichten. Für hoch dosiertes intravenöses Vitamin C reichen die Daten laut Leitlinie nicht aus, um eine Empfehlung dafür oder dagegen abzugeben. Hoch dosiertes orales Vitamin C wird dagegen ausdrücklich nicht empfohlen mit dem Ziel, das Überleben zu verlängern oder die Nebenwirkungen der Therapie zu reduzieren.