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Neueinführungen
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Give me five!

Sage und schreibe fünf neue Wirkstoffe kamen zum 1. Juni auf den deutschen Markt. Ihr Einsatzgebiet ist bunt gemischt – von Akne und RSV-Prophylaxe über Kardiomyopathie bis hin zu Tuberkulose und Urtikaria.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 11.06.2026  16:00 Uhr

Prävention von RSV

Eine Infektion mit dem respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) stellt im sehr jungen Lebensalter eine besondere Gefahr dar. Sie kann bei Neugeborenen und Säuglingen schwere Erkrankungen der unteren Atemwege verursachen. Schon seit vielen Jahren gibt es für die passive Immunisierung den Antikörper Palivizumab; im Jahr 2023 kam Nirsevimab hinzu. Mit der Markteinführung von Clesrovimab (Enflonsia® 105 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze, MSD) ist nun Nummer 3 am Start.

Clesrovimab sorgt für passive Immunisierung, indem es an das Fusionsprotein der äußeren RSV-Membran bindet und so das Eindringen des Virus in die Zellen verhindert. Zugelassen ist der Antikörper zur Prävention von RSV-Erkrankungen der unteren Atemwege bei Neugeborenen und Säuglingen während ihrer ersten RSV-Saison.

Die empfohlene Dosis beträgt 105 mg, die als Einmalinjektion zu 0,7 ml intramuskulär in den Oberschenkel angewendet wird. Enflonsia ist bei Neugeborenen und Säuglingen, die während der RSV-Saison geboren werden, nach der Geburt anzuwenden. Bei Säuglingen, die außerhalb der RSV-Saison geboren werden, soll es einmalig vor Beginn ihrer ersten RSV-Saison zum Einsatz kommen. Da Clesrovimab ein Antikörper zur RSV-spezifischen passiven Immunisierung ist, ist nicht zu erwarten, dass es die aktive Immunantwort auf gleichzeitig angewendete Impfstoffe beeinflusst.

Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen waren Schmerzen an der Injektionsstelle, Erythem und Schwellung an der Injektionsstelle sowie Ausschlag. Wenn Anzeichen und Symptome einer klinisch signifikanten Überempfindlichkeitsreaktion oder Anaphylaxie auftreten, ist eine geeignete Behandlung und/oder eine unterstützende Therapie einzuleiten. Enflonsia ist im Kühlschrank bei 2 bis 8°C aufzubewahren. Bei Raumtemperatur (20 bis 25 °C) kann es maximal 48 Stunden aufbewahrt werden. Nach der Entnahme aus dem Kühlschrank muss es innerhalb von 48 Stunden verwendet werden.

Neu gegen Akne

Mit Clascoteron (Winlevi® 10 mg/g Creme, Infectopharm Arzneimittel und Consilium) kam eine neue verschreibungspflichtige topische Therapieoption bei Akne auf den deutschen Markt. Clascoteron ist ein Androgenrezeptor-Inhibitor. In-vitro-Studien haben gezeigt, dass es die Wirkung von Androgenen in Sebozyten antagonisiert. Hierdurch unterdrückt es die Talgproduktion und -ansammlung und reduziert Entzündungsmediatoren, die als Auslöser der Aknepathogenese bekannt sind.

Zugelassen ist der neue Wirkstoff bei Erwachsenen für die Behandlung von Akne vulgaris, bei Jugendlichen im Alter von 12 bis  unter 18 Jahren für die Behandlung von Akne vulgaris im Gesicht. Um eine therapeutische Wirkung zu erzielen, wird eine Behandlungsdauer von drei Monaten empfohlen. Danach beurteilt der Arzt das Ergebnis und entscheidet, ob die Therapie mit dem Wirkstoff noch weiter fortgeführt werden soll.

Patienten müssen die Creme zweimal täglich morgens und abends gleichmäßig dünn auftragen. Zwischen den Anwendungen sollten mindestens acht Stunden verstreichen. Ein versehentliches Eintragen der Creme in Augen, Mund oder andere Schleimhäute sollte vermieden werden. Bei Kontakt mit Schleimhäuten sollte man die Stelle gründlich mit Wasser spülen.

Die Applikationsstellen sollten vor der Anwendung sauber und trocken sein. Winlevi darf nicht auf Schnittwunden, Abschürfungen oder Stellen mit Hautekzem oder Sonnenbrand aufgetragen werden. Die Creme muss ohne Okklusivverband angewendet werden, um ein erhöhtes Risiko für systemische unerwünschte Wirkungen zu vermeiden.

Andere Arzneimittel zur topischen Behandlung anderer Erkrankungen an denselben Hautstellen sollten mindestens zwei Stunden vor oder nach Anwendung von Winlevi aufgetragen werden. Dies gilt auch für Sonnenschutzmittel oder Feuchtigkeits-/Pflegecremes. Die gleichzeitige Anwendung einer photodynamischen Therapie wird nicht empfohlen. Die häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind lokale Hautreaktionen wie Erytheme, Schuppung/Trockenheit, Juckreiz und Stechen/Brennen. Diese Reaktionen waren für gewöhnlich selbstlimitierend und klangen während der Anwendung des Arzneimittels ab.

Der Schwangerschaftsstatus muss bei Frauen im gebärfähigen Alter vor Beginn der Behandlung mit Clascoteron überprüft werden. Die Anwendung in der Schwangerschaft ist kontraindiziert. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und mindestens bis zu zehn Tage nach der letzten Anwendung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Auch die Anwendung von Clascoteron während der Stillzeit wird nicht empfohlen.

Vor der Abgabe an den Patienten ist das neue Präparat im Kühlschrank zu lagern (2 bis 8 °C). Nach der Abgabe sollten Patienten Winlevi vor Anbruch ebenfalls im Kühlschrank lagern. Nach Anbruch dürfen sie das Arzneimittel nicht über 25 °C lagern.

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