| Sven Siebenand |
| 11.06.2026 16:00 Uhr |
Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist eine progressiv verlaufende Erkrankung. Durch eine gesteigerte Kontraktilität des Herzmuskels und eine verringerte Füllkapazität des linken Ventrikels entwickeln sich Probleme in der Blutzirkulation. Die Konsequenz sind beeinträchtigende Symptome und Funktionsstörungen des Herzens. Die häufigste Form ist die hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie (HOCM). Dabei wird der linksventrikuläre Ausflusstrakt (LVOT), über den das Blut das Herz verlässt, durch den vergrößerten Herzmuskel verengt.
Aficamten (Myqorzo® 5, 10, 15 und 20 mg Filmtabletten, Cytokinetics) darf bei Erwachsenen mit symptomatischer HOCM der Schweregrade NYHA II und III zum Einsatz kommen. Der Arzneistoff wirkt als kardialer Myosininhibitor und zielt so auf die zugrunde liegende Pathophysiologie der HOCM ab. Aficamten senkt die Kontraktilität des Herzmuskels, indem es die Bildung überschüssiger Myosin-Aktin-Kreuzbrücken hemmt. Diese sind für die Hyperkontraktilität, linksventrikuläre Hypertrophie und verringerte Herzmuskelelastizität verantwortlich. Dieser Wirkmechanismus und das zugelassene Anwendungsgebiet sind nicht neu. Auch das im Jahr 2023 hierzulande eingeführte Mavacamten wirkt so und ist in dieser Indikation zugelassen.
Vor Therapiestart muss der Arzt die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) mittels Echokardiografie beurteilen. Bei Patienten mit LVEF unter 55 Prozent soll die Therapie nicht angesetzt werden. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 5 mg zum Einnehmen einmal täglich. Die Dosis sollte alle zwei bis acht Wochen um 5 mg erhöht werden, bis eine Erhaltungsdosis oder die maximale Dosis von 20 mg erreicht ist. Wichtig: Eine echokardiografische Beurteilung sollte zwei bis acht Wochen nach Behandlungsbeginn, Dosisanpassung oder Behandlungsunterbrechung durchgeführt werden. Sobald die Patienten eine stabile Dosis erhalten, werden diese Echokardiografien alle drei bis sechs Monate durchgeführt. Die Fachinformation erklärt im Detail, wie die Dosis unter Umständen anzupassen ist.
Häufige Nebenwirkungen von Aficamten sind Schwindelgefühl, Störung in der Systole, Palpitationen und hoher Blutdruck. In Sachen Wechselwirkungen ist einiges zu bedenken: Aficamten wird durch CYP2C9-, CYP2D6- und CYP3A-Enzyme metabolisiert. Wirkstoffe, die Inhibitoren oder Induktoren dieser Enzyme sind, können bei gleichzeitiger Gabe daher problematisch sein, da sie entweder den Wirkspiegel von Aficamten zu stark erhöhen und damit schwere Nebenwirkungen verursachen können oder den Wirkspiegel stark reduzieren und damit die Wirksamkeit des neuen Arzneistoffs gefährden.
In der Fachinformation wird detailliert erklärt, wie die Dosis anzupassen ist oder ob möglicherweise sogar eine Kontraindikation besteht. Die gleichzeitige Anwendung mit moderaten CYP2C9-Inhibitoren, die gleichzeitig moderate bis starke CYP2D6- oder CYP3A-Inhibitoren sind, ist zum Beispiel tabu. Ebenso kontraindiziert ist die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A4-Induktoren, die gleichzeitig moderate CYP2C9-Induktoren sind. Grundsätzlich sollten die Patienten auf das Potenzial für Arzneimittelwechselwirkungen hingewiesen werden und vor und während der Behandlung mit Aficamten über alle gleichzeitig verabreichten Arzneimittel informieren.
Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Schwangere sollten kein Aficamten einnehmen, es sei denn, die Therapie ist aufgrund des klinischen Zustands der Frau erforderlich. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf Aficamten verzichtet werden soll.