PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Orale Tumortherapie
-
Mehr Eigenverantwortung, mehr Beratungsbedarf

Immer häufiger ist die Tumortherapie mit oralen Darreichungsformen möglich. Das erleichtert Patienten den Alltag, bringt aber auch Herausforderungen und ein hohes Maß an Eigenverantwortung mit sich. Umso wichtiger, dass Betroffene neben ihrem Behandlungsteam auch die öffentliche Apotheke als kompetente Anlaufstelle hinter sich wissen.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 11.09.2026  16:00 Uhr

Die Krebstherapie hat sich gewandelt. Zum einen hat nimmt die Zahl der zielgerichteten Therapien zugenommen, zum anderen sind viele der Medikamente inzwischen oral verfügbar, etwa als Tabletten oder Kapseln. Dabei lassen sich vier Kategorien unterscheiden:

  • Chemotherapie,
  • Immunmodulatoren,
  • antihormonelle Therapie und
  • zielgerichtete Therapie.

In die erste Kategorie fallen klassische Zytostatika wie Alkylanzien, Antimetabolite, Mitose- und Topoisomerase-Hemmstoffe. Diese haben schnell teilende Zellen im Visier, was sowohl Tumorzellen als auch gesunde Zellen trifft. Typische Nebenwirkungen sind Schleimhautentzündungen, Haarausfall und die verminderte Bildung von Blutzellen. Wirkstoffbeispiele sind Capecitabin, Melphalan und Hydroxycarbamid.

Zu den Immunmodulatoren gehören die Arzneistoffe Lenalidomid, Pomalidomid und Thalidomid. Sie werden unter anderem zur Therapie des multiplen Myeloms eingesetzt. Als Nebenwirkungen treten oft Müdigkeit, Blutbildstörungen und eine erhöhte Thromboseneigung auf.

Bekannte Vertreter der antihormonellen Therapie sind Tamoxifen und Aromatasehemmer wie Letrozol, die bei Brustkrebs eingesetzt werden. Aber auch Antiandrogene wie Apalutamid und der CYP-17-Inhibitor Abirateron fallen darunter. Hier stehen wechseljahresähnliche Nebenwirkungen im Vordergrund, zum Beispiel Hitzewallungen oder Gelenkschmerzen.

Auch viele zielgerichtete Therapien sind oral verfügbar, unter anderem Proteinkinaseinhibitoren, PARP-Inhibitoren und Proteasom-Hemmstoffe. »Zielgerichtet« heißt, dass die Arzneistoffe anders als klassische Chemotherapien ein tumoreigenes Target haben und beispielsweise bestimmte Signalwege blockieren. Den größten Anteil machen Kinaseinhibitoren aus, etwa Tyrosinkinase-Inhibitoren wie Lapatinib oder CDK4/6-Hemmer wie Ribociclib. Hemmt ein Wirkstoff mehrere Enzyme, spricht man von Multikinasehemmern, ein Beispiel ist Sorafenib. Ob eine zielgerichtete Therapie infrage kommt, ist oftmals abhängig von den genetischen Eigenschaften des Tumors. Zielgerichtet heißt aber nicht nebenwirkungsfrei: Häufig treten beispielsweise Hautreaktionen, Müdigkeit und Magen-Darm-Beschwerden auf.

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa