| Juliane Brüggen |
| 11.09.2026 16:00 Uhr |
Die Nebenwirkungen können sich je nach Medikament unterscheiden; oft handelt es sich um Kombinationstherapien. Häufig treten etwa Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Übelkeit, Schleimhautveränderungen wie Mukositis oder Stomatitis, Fatigue und Hauttoxizitäten wie Exanthem, trockene Haut oder Hand-Fuß-Mund-Syndrom auf. Auch Schmerzen, menopausale Symptome und Schlafstörungen sind je nach Arzneimittel möglich.
Einige Wirkstoffe beeinflussen das Herz beziehungsweise das Herz-Kreislauf-System: Es kann etwa zu QT-Zeit-Verlängerungen und Rhythmusstörungen kommen. Typisch für VEGF-gerichtete Therapien ist eine Blutdruckerhöhung. Metabolische Nebenwirkungen äußern sich zum Beispiel durch einen erhöhten Blutzucker, wie bei mTOR-Inhibitoren, oder ein verändertes Lipidprofil.
Potenziell kritisch sind Blutbildveränderungen wie Neutropenien, zum Beispiel bei CDK4/6-Inhibitoren, da sie das Risiko für schwere Infektionen erhöhen. Auch Thromboembolien und eine medikamentös induzierte interstitielle Lungenerkrankung (ILD) können gefährlich werden. Daher ist es wichtig, in der Beratung auf »Red Flags« des jeweiligen Arzneimittels zu achten.
In der Regel erhalten Patienten durch das Behandlungsteam Anweisungen zum Umgang mit Nebenwirkungen und bei Bedarf eine verordnete Supportivtherapie. Sie sollten wissen, wann eine ärztliche Rücksprache erforderlich ist, und die Kontaktdaten, auch für den Notfall, griffbereit haben. Bei Beschwerden ist aber oft die Apotheke eine Anlaufstelle. Härtel: »Ich rate immer, sich auf die belastendste Nebenwirkung zu fokussieren, also zu erfragen, was im Vordergrund steht.« Eine Hilfe sind die oben genannten Nebenwirkungsmerkblätter: »Es ist immer schön, mit Handzetteln zu arbeiten und dem Kunden zu zeigen, was er selbst bei leichten Beschwerden tun kann, was auch vorbeugend sinnvoll ist und zu erklären, wann die Grenzen der Selbstmedikation erreicht sind«, so Härtel – etwa bei nächtlichem Durchfall. »In diesem Fall sollte notfallmäßig der behandelnde Arzt kontaktiert werden.« Um die Grenzen zu ermitteln, sind Fragen nach Schweregrad, Begleit- und Warnsymptomen (siehe Kasten) unerlässlich.
Zu bedenken ist laut Härtel, dass hinter den Symptomen auch andere Ursachen stecken können. Ein Blick in die Fachinformation zeigt beispielsweise, ob die Nebenwirkung dort gelistet ist. Auslöser können auch andere Arzneimittel sein, bei Durchfall zum Beispiel Antibiotika, nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) oder Laxanzien, neue Wechselwirkungen oder auch Änderungen im Einnahmeverhalten. Nicht zuletzt kann die beratende Person erfragen, ob Probleme bei der verordneten Supportivtherapie bestehen und die Anwendung oder Unterscheidung von Begleit- und/oder Bedarfsmedikation klar ist. Generell sollten Patienten wissen, dass Nebenwirkungen häufig behandelbar sind, dabei jedoch die frühzeitige Information des Behandlungsteams entscheidend ist.
Bei einem der folgenden Symptome sollten Patienten sich direkt an ihren Arzt wenden:
Außerdem:
Quelle: Scherf-Clavel, Oliver; Orale Tumortherapie sicher begleiten, Pharmazeutische Zeitung (5/2026)