| Juliane Brüggen |
| 11.09.2026 16:00 Uhr |
Eine wichtige Informationsquelle zur evidenzbasierten Therapie von Nebenwirkungen ist die S3-Leitlinie »Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen«. Den Schweregrad der Symptome ermitteln Ärzte meist mittels »Common Terminology Criteria for Adverse Events« (CTCAE). Es gibt fünf Grade: mild, mäßig, schwerwiegend, lebensbedrohlich und zum Tode führend. Während Grad 1 und 2 in der Regel ambulant behandelt werden können, ist ab Grad 3 eine Krankenhauseinweisung erforderlich.
Durchfall wird beispielsweise wie folgt eingeteilt, wobei Begleitsymptome separat erfasst werden:
Ob Durchfall als Nebenwirkung auftritt, ist nicht nur abhängig von den angewendeten Medikamenten, sondern auch von Komorbiditäten und individuellen Risikofaktoren wie hohem Lebensalter, Darmdysfunktion, Mangelernährung oder simultaner Radiotherapie des Bauch-Becken-Bereichs.
Bei unkomplizierten Diarrhöen (Grad 1 und 2) besteht die ärztlich angeordnete Therapie in der Regel aus Loperamid, oraler Hydratation und Ernährungsumstellung. Bessern sich die Symptome nicht innerhalb von 12 bis 24 Stunden, ist laut Leitlinie eine stationäre Einweisung empfohlen. Letzteres gilt auch für komplizierte Diarrhöen, die bei Grad 3 und 4 vorliegen, sowie bei Grad 1 oder 2 mit Begleitsymptomen wie Dehydratation, Erbrechen, Krämpfen und Fieber.
Wichtig: Anders als bei tumortherapiebedingter Übelkeit gibt es für Durchfall keinen belegten Nutzen einer standardmäßigen, medikamentösen Prophylaxe. Auch für Prä-, Pro- und Synbiotika gibt es keine spezifische Leitlinienempfehlung. Diese sollten nicht ohne Absprache mit dem Behandlungsteam genommen werden. Besondere Vorsicht ist bei immunsupprimierten Patienten geboten.
Beratungstipps bei Durchfall: