PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Orale Tumortherapie
-
Mehr Eigenverantwortung, mehr Beratungsbedarf

Immer häufiger ist die Tumortherapie mit oralen Darreichungsformen möglich. Das erleichtert Patienten den Alltag, bringt aber auch Herausforderungen und ein hohes Maß an Eigenverantwortung mit sich. Umso wichtiger, dass Betroffene neben ihrem Behandlungsteam auch die öffentliche Apotheke als kompetente Anlaufstelle hinter sich wissen.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 11.09.2026  16:00 Uhr

Beispiel: Umgang mit Durchfall

Eine wichtige Informationsquelle zur evidenzbasierten Therapie von Nebenwirkungen ist die S3-Leitlinie »Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen«. Den Schweregrad der Symptome ermitteln Ärzte meist mittels »Common Terminology Criteria for Adverse Events« (CTCAE). Es gibt fünf Grade: mild, mäßig, schwerwiegend, lebensbedrohlich und zum Tode führend. Während Grad 1 und 2 in der Regel ambulant behandelt werden können, ist ab Grad 3 eine Krankenhauseinweisung erforderlich.

Durchfall wird beispielsweise wie folgt eingeteilt, wobei Begleitsymptome separat erfasst werden:

  • Grad 1: Zunahme der individuell üblichen Stuhlfrequenz um weniger als 4 Stühle pro Tag; geringer Anstieg der Stuhlmenge über die Normalmenge hinaus
  • Grad 2: Zunahme um 4 bis 6 Stühle pro Tag; mäßiger Anstieg der Stuhlmenge
  • Grad 3: Zunahme um ≥ 7 Stühle pro Tag; schwerwiegender Anstieg der Stuhlmenge; Aktivitäten des täglichen Lebens eingeschränkt; Krankenhauseinweisung erforderlich
  • Grad 4: lebensbedrohliche Folgen, Intervention dringlich angezeigt

Ob Durchfall als Nebenwirkung auftritt, ist nicht nur abhängig von den angewendeten Medikamenten, sondern auch von Komorbiditäten und individuellen Risikofaktoren wie hohem Lebensalter, Darmdysfunktion, Mangelernährung oder simultaner Radiotherapie des Bauch-Becken-Bereichs.

Bei unkomplizierten Diarrhöen (Grad 1 und 2) besteht die ärztlich angeordnete Therapie in der Regel aus Loperamid, oraler Hydratation und Ernährungsumstellung. Bessern sich die Symptome nicht innerhalb von 12 bis 24 Stunden, ist laut Leitlinie eine stationäre Einweisung empfohlen. Letzteres gilt auch für komplizierte Diarrhöen, die bei Grad 3 und 4 vorliegen, sowie bei Grad 1 oder 2 mit Begleitsymptomen wie Dehydratation, Erbrechen, Krämpfen und Fieber.

Wichtig: Anders als bei tumortherapiebedingter Übelkeit gibt es für Durchfall keinen belegten Nutzen einer standardmäßigen, medikamentösen Prophylaxe. Auch für Prä-, Pro- und Synbiotika gibt es keine spezifische Leitlinienempfehlung. Diese sollten nicht ohne Absprache mit dem Behandlungsteam genommen werden. Besondere Vorsicht ist bei immunsupprimierten Patienten geboten.

Beratungstipps bei Durchfall:

  • Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2 bis 3 l pro Tag, zum Beispiel stilles Wasser, Tee, lauwarme Brühe; Sportgetränke zum Elektrolytausgleich
  • Antidiarrhoika nach ärztlicher Anweisung einsetzen; wichtig: Es kann sein, dass dabei die in der Packungsbeilage angegebene Maximaldosis überschritten wird
  • elektrolythaltige Präparate nach Rücksprache mit Behandlungsteam
  • Ernährung anpassen: zum Beispiel mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, leicht verdauliche und verträgliche Lebensmittel bevorzugen
  • bei Auftreten von Warnzeichen den Arzt kontaktieren
TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa