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Funktionale Depression
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Nach außen leuchten – nach innen leiden

Die Patientin kommt seit Monaten immer wieder in die Apotheke. Mal braucht sie etwas Pflanzliches, weil sie schlecht schläft, dann möchte sie Magnesium zur Entspannung, das nächste Mal ein Mittel gegen ihre Kopfschmerzen. Hinter diesen Symptomen, die sich auch als Reaktionen auf eine akute Stressphase interpretieren ließen, kann eine funktionale Depression stecken, medizinisch oft als Dysthymie bezeichnet.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 06.08.2026  16:00 Uhr

Die Leere kaschieren

Auch die Persönlichkeit des Menschen kann die Erkrankung befördern. Oft stellen Betroffene hohe Ansprüche an sich selbst und setzen alles daran, den Erwartungen anderer gerecht zu werden – auch wenn diese sie gar nicht haben. Eigene Bedürfnisse stellen Patienten oft jahrelang hintenan. Kommen dann noch schwierige Lebenssituationen hinzu, wie eine Trennung, ein Todesfall oder Ähnliches, lassen Menschen mit funktionaler Depression nicht etwa in ihrer Leistung nach, wie es erwartbar wäre, sondern engagieren sich noch viel mehr und kaschieren auf diese Weise das wahre innere Befinden.

Während andere Depressionsformen mehr bei Frauen denn bei Männern diagnostiziert werden, gibt es bei der funktionalen Depression eher keine Unterschiede – sofern man es bei der hohen Dunkelziffer überhaupt beurteilen kann. Aber es existieren geschlechterunspezifische Risiken, daran zu erkranken. Menschen, die sich stark verantwortlich fühlen für die Dinge um sie herum, ihren Wert an ihrer Leistung bemessen und ein hohes Pflichtgefühl haben, erkranken leichter. Auch wer einem medizinischen oder pflegerischen und damit einem helfenden Beruf im weitesten Sinne angehört, ist stärker gefährdet. Vorangegangene Depressionen oder Angststörungen steigern das Risiko ebenfalls.

Apothekenteams kommt in diesem Kontext eine große Bedeutung zu, denn Menschen mit funktionaler Depression gestehen sich lange nicht ein, dass womöglich die Seele leidet, suchen deshalb oft erst sehr spät einen Arzt auf und nutzen eher die Apotheken als niedrigschwellige Anlaufstelle, um sich gegen einzelne »Zipperlein« Rat und Hilfe zu holen.

Immer wieder da

Was kann den Verdacht wecken, einen Menschen mit einer funktionalen Depression vor sich zu haben? Da gibt es einige Anhaltspunkte, etwa, wenn eine Stammkundin seit einiger Zeit immer wieder freiverkäufliche oder auch verordnete Schlaf-, Beruhigungs-, Schmerz- und/oder diverse Nahrungsergänzungsmittel kauft. Das kann an einer vorübergehenden, die Kundin überfordernden Mehrbelastung liegen. Möglich ist aber auch, dass sie die Folgen einer funktionalen Depression eindämmen möchte, um weiter funktionieren zu können.

Damit sich die Patienten nicht übergriffig behandelt fühlen, die Fragen der PTA nicht als anmaßend empfinden und die PTA keine Diagnose stellt, was bekanntlich nicht erlaubt ist, bedarf es Fingerspitzengefühls vonseiten der Profis am HV. Ein Vorgehen nach einem hilfreichen Schema vereinfacht das Gespräch. Dazu benennt die beratende Person zunächst ihre Beobachtung: »Sie erzählen, dass Sie erschöpft sind und schlecht schlafen und das auch schon länger.«

Darauf folgt es, die Beschwerden der Patientin ernst zu nehmen, etwa mit den Worten: »Das belastet Sie sicher.« Dann zeigt die Profi-PTA, dass sie keine Diagnosen stellen darf, etwa mit dem Satz: »Dafür kann es mehrere Ursachen geben.« Im Folgeschritt motiviert sie zur Abklärung durch den Arzt: »Es ist sicher gut und wäre mein Rat, dass Sie das zeitnah beim Arzt abklären lassen.« Und zuletzt vermittelt sie Hoffnung, indem sie etwa sagt: »Sollte sich hinter Ihren anhaltenden Symptomen zum Beispiel eine Art Depression verbergen, dann kann man das heute sehr gut behandeln.« Wichtig ist Sensibilität. Sätze, die dramatisieren und diagnostizieren, etwa: »Sie haben sicher eine Depression«, oder solche, die verharmlosen: »Das ist bestimmt nur Stress« oder »Das geht derzeit vielen Leuten so«, helfen keinem Menschen weiter.

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