| Isabel Weinert |
| 06.08.2026 16:00 Uhr |
Wenn Betroffene zu der Einsicht gelangen, so könne es nicht weitergehen, und tatsächlich einen Arzt aufsuchen, sollte dieser ein ausführliches Gespräch führen, andere körperliche Ursachen ausschließen und nach den Diagnosekriterien laut ICD-11 vorgehen. Hier gibt es zwar keine eigenständige Diagnose, die »Funktionale Depression« heißt, aber auch bei dieser Variante einer unipolaren Depression sollten Symptome wie gedrückte Stimmung oder Interessenverlust über mindestens zwei Wochen zutreffen.
Häufiger geben Ärzte am Ende die Diagnose »Dysthymie« an, eine anhaltende depressive Störung, die eine weniger schwere, aber chronische Depression beschreibt, bei der Betroffene lernen, wie sie trotzdem weiterhin »funktionieren«. Um auf Nummer sicher zu gehen, können Mediziner oder Psychotherapeuten bei der Diagnosefindung auch standardisierte Fragebögen einsetzen. Als körperlich auszuschließende Ursachen kommen Erkrankungen der Schilddrüse infrage, neurologische Erkrankungen sowie die Einnahme von Medikamenten, die die Stimmung beeinflussen können.
In der Therapie setzen Ärzte und Psychotherapeuten bei einer leichten Ausprägung der Symptomatik auf eine Verhaltenstherapie. Hier lernt der Mensch, eigene Muster zu erkennen und diese mit neu erlernten und eingeübten Verhaltensstrategien zu durchbrechen, also durch ein gesünderes Verhalten zu ersetzen. Nicht immer reicht solch eine Therapie aus oder die Symptome wiegen derart schwer, dass es zudem Antidepressiva bedarf, damit Menschen überhaupt in die Lage kommen, eine Verhaltenstherapie annehmen zu können.
Als Medikamentengruppe der ersten Wahl gelten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), wie Citalopram, Escitalopram und Sertralin, sowie Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI), also etwa Venlafaxin und Duloxetin. Abhängig von der im Vordergrund stehenden Symptomatik kann auch Mirtazapin mit seiner schlafanstoßenden Wirkung Vorteile bringen.
Patienten sollten wissen, dass sich die Wirkung von Antidepressiva meist erst binnen zwei bis vier Wochen entwickelt, mögliche Nebenwirkungen aber direkt in Erscheinung treten. Ebenso wichtig ist die Information, dass viele Nebenwirkungen vorübergehender Natur sind und nicht dazu führen dürfen, die Medikamente eigenmächtig abzusetzen.
Die Aufklärung über mögliche Wechselwirkungen ist ebenfalls bedeutsam. Das Serotoninsyndrom als Wechselwirkung kann lebensbedrohlich verlaufen, tritt ausgeprägt allerdings nur sehr selten auf. Kontraindiziert ist wegen dieser Gefahr die Kombination mit MAO-Hemmern wie Tranylcypromin oder Moclobemid sowie mit dem Antibiotikum Linezolid.
Gering bis mäßig fällt die Gefahr aus, wenn SSRI oder SNRI mit trizyklischen Antidepressiva, Lithium, starken Schmerzmitteln wie Tramadol oder Fentanyl oder Migränemitteln wie Triptanen kombiniert werden. Dennoch weist man Patienten am besten darauf hin, dass sie die Möglichkeit einer solchen Wechselwirkung bei ihrem Arzt ansprechen sollen, wenn er nicht alle Medikamente kennt, die der Patient sonst noch einnimmt.