| Isabel Weinert |
| 03.07.2026 16:00 Uhr |
Denn dann, wenn das Selbstbild stimme, nimmt man auch nicht so leicht alles persönlich. Letzteres komme vor allem dann vor, wenn die inneren Akkus am Anschlag sind - ein Klassiker bei Frauen. »Mir hilft dann – neben dem Schreiben –, alles auszumachen und zu mir zu kommen. Ich hole mir die Selbstwirksamkeit dort, wo ich nicht bewertet werde, zum Beispiel in der Kunst, also indem ich etwas nur für mich mache, ganz egal, wie andere das Resultat finden würden«, so Staudinger. Wer hingegen nicht gut für sich selbst sorge, könne, selbst überfordert, mit unzufriedenen Kunden nicht zufriedenstellend kommunizieren.
»Man kann so wahnsinnig viel mit vorbeugender Kommunikation tun, also ganz im Gegenteil zu Verbotsschildern«, sagt die Bestseller-Autorin, die solche Schilder in manchen Apotheken sieht, um Kunden und Kundinnen von irgendetwas abzuhalten. »Viel besser ist es, wenn ich zum Beispiel merke, die Patienten müssen ziemlich lange warten und es wird unruhig, an die Menschen so zu appellieren, wie ich glaube, dass sie sich selbst gerne sehen würden.«
Wenn schon ein Schild, dann könnte zum Beispiel darauf stehen »1000 Dank, dass Sie so geduldig warten«. Wenn man dann sehe, dass die Leute das Schild nicht wahrnehmen, könne man einmal freundlich rufen: »Mensch, jetzt wird´s ja gemütlich bei uns, wir arbeiten so schnell wie wir können. Schön, dass Sie alle da sind.«
Entscheidend dabei: Man signalisiert den Menschen, dass man sie im positiven Sinne gesehen hat. Gerade in der Apotheke sei das auch deshalb so wichtig, weil man nie weiß, wie die Realität des Menschen aussieht. »Geh´ vom Besten aus und so sprichst du auch mit den Leuten«, lautet Staudingers Devise.
Die Apotheke ist einer der wenigen Orte, in denen die Menschen hinter dem HV, die Apothekenteams, aufgrund ihres direkten Kundenkontakts die Chance haben, etliche Stunden ihres Tages komplett ohne Smartphone zu verbringen – mit Ausnahme der Social-Media-Teams. Wer kann, sollte diese Chance nutzen und nicht zwischendurch nach kleinen Smartphonefluchten suchen. Denn, so sagt es der Neuropsychologe Professor Dr. Lutz Jäncke, zum einen sei Multitasking ein Mythos, zum anderen stört der völlige Überfluss an Information die gerichtete Arbeit des Gehirns. Den Luxus der handyfreien Arbeitszeit also am besten schätzen und auskosten.