PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Gürtelrose
-
Wenn Viren an die Nerven gehen

Wer sich einmal mit Herpes-zoster-Viren infiziert und die Windpocken durchgemacht hat, bei dem überdauern die Erreger ein Leben lang in den Nervenzellen. Jederzeit können sie aus ihrem Tiefschlaf erwachen und in Form einer Gürtelrose wiederkehren. Warum es so wichtig ist, dann schnell zu handeln.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 28.08.2026  16:00 Uhr

Komplikationen verhindern

Nach etwa fünf Tagen verkrusten die Bläschen, nach zwei bis vier Wochen heilen die Hautveränderungen meist vollständig ab. Doch selbst wenn der Ausschlag bereits abgeklungen ist, können die zum Teil sehr starken Zosterschmerzen fortbestehen. »Das Wichtigste bei einer Gürtelrose ist, die Nervenschmerzen sofort zu behandeln«, erläutert Lehmann. Auch wenn nur ein kleiner Hautbereich von der Gürtelrose betroffen ist, sollten Patienten die Erkrankung ernst nehmen und einen Arzt aufsuchen. Um die Vermehrung der Viren zu stoppen und Spätfolgen zu verhindern, beginnt die antivirale Behandlung möglichst innerhalb von 72 Stunden, nachdem die ersten Bläschen aufgetreten sind.

Persistieren sie länger als drei Monate, ist von einer postzosterischen Neuralgie (PZN) die Rede, auch postherpetische Neuralgie genannt. Sie ist die häufigste Komplikation einer Gürtelrose. Das Risiko dafür steigt mit zunehmendem Alter mit einem steilen Anstieg nach dem 50. Lebensjahr. Einige Patienten mit PZN haben auch mehr als ein Jahr nach der Gürtelrose noch Schmerzen. Meist werden diese im Laufe der Zeit weniger, manchmal bleiben sie jedoch noch Jahre nach der Erkrankung bestehen.

Patienten sind unterschiedlich stark von Schmerzen betroffen. Zudem hat jeder Mensch ein anderes Schmerzempfinden. »Manchen reicht Paracetamol, meist muss man jedoch stärkere, rezeptpflichtige Schmerzmittel einsetzen«, sagt Lehmann. Zum Teil sind die Schmerzen so heftig, dass Morphine nötig sind. Dabei käme es auch darauf an, welche Körperteile betroffen sind. »Gerade im Gesicht, etwa am Auge, ist der Zoster besonders schmerzhaft«, weiß die Expertin.

Die S2k-Leitlinie empfiehlt eine Schmerzbehandlung entsprechend der Schmerzintensität gemäß dem WHO-Stufenschema mit Nichtopioid-Analgetika wie Paracetamol, Metamizol, Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen oder selektivem COX-2-Hemmer. Bei starken Beschwerden kommen schwach wirksame Opioide wie Tramadol, Tilidin und Naloxon zum Einsatz oder auch starke Präparate wie Oxycodon oder Hydromorphon. Koanalgetika wie Antidepressiva und Antikonvulsiva können in manchen Fällen ergänzend hilfreich sein. Halten die Schmerzen trotz Schmerztherapie auch vier Wochen nach Abheilung des Hautausschlags an, sollte ein Schmerzspezialist hinzugezogen werden.

Auch die betroffene Hautstelle kann nach einer Gürtelrose empfindlich bleiben, wenn die Nerven dort geschädigt wurden. Selbst nach Abheilung des Ausschlags werden Berührungen dann als schmerzhaft empfunden. Besonders ältere Menschen oder Patienten, bei denen die Behandlung spät begann, können davon betroffen sein.

Neben anhaltenden Schmerzen sind weitere Komplikationen nach einer Gürtelrose möglich. Da die Varizellaviren auch in Blutgefäßen Entzündungen verursachen können, ist vor allem in den ersten Monaten nach der Erkrankung das Risiko für Schlaganfall und Vaskulopathie erhöht. In schweren Fällen ist zudem eine Gehirnhautentzündung nicht auszuschließen.

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa