| Caroline Wendt |
| 16.07.2026 12:00 Uhr |
Zudem sei es gut, verschiedene Eiweißquellen in einer Mahlzeit zu kombinieren, da pflanzliche Proteinquellen zwar alle Aminosäuren enthalten, diese jedoch nicht in jedem Produkt im optimalen Verhältnis zueinander vorliegen. »Aber viele Gerichte, die man kennt, haben das schon ganz automatisch«, beruhigte Weidner, etwa Chili mit Bohnen und Mais, Linsen mit Reis oder Hummus mit Brot.
Proteinshakes seien dagegen nur in besonderen Situationen sinnvoll, etwa bei jemandem, der sehr viel Kraftsport betreibt, oder bei Menschen, die ihren Bedarf über die normale Ernährung nicht decken können. Medizinische Trinknahrung sei davon klar zu unterscheiden. Sie könne bei nachgewiesener Mangelernährung ärztlich verordnet werden.
Aber gibt es auch ein Zuviel an Protein? Bei gesunden Menschen gebe es keine klare Evidenz dafür, dass ein übermäßiger Proteinverzehr schädlich sein könnte. Allerdings gebe es verschiedene Patientengruppen, bei denen es Probleme geben könne – etwa Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung. »Diese Patienten sollten die Eiweißmenge nicht selbst erhöhen, sondern das vorher mit ihrem Nephrologen besprechen«, so der Ratschlag der Ärztin.
Generell sei es wichtig, darauf zu achten, dass zu jeder Mahlzeit neben einer Gemüsebeilage auch eine Eiweißquelle dabei sei. »Indem man es über den Tag verteilt, ist es viel einfacher, darauf zu achten«, so Weidner. Zudem vertrage es der Körper auch besser – was etwa bei Hülsenfrüchten ein Thema sein könnte.
Eine zentrale Rolle spiele aber auch die Bewegung, so die Medizinerin. Das Eiweiß liefere nur den Baustoff, das Training aber den nötigen Reiz, um Muskulatur aufzubauen oder zumindest zu erhalten. Das bedeute nicht, dass man unbedingt ins Fitnessstudio gehen müsse, es reiche auch, wenn man Bewegung in den Alltag integriere. »150 Minuten Training pro Woche – das kann sich auf ein schnelles Gehen plus zwei Einheiten Krafttraining aufteilen und ist schneller erreicht, als man denkt«, so Weidner. Die sogenannte anabole Resistenz bedeute lediglich, dass es im Alter etwas länger dauern könne, bis sich ein Effekt bemerkbar mache.