PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Neueinführungen
-
Das Juli-Quartett

Zum 1. Juli kamen vier neue Wirkstoffe in den deutschen Handel. Sie kommen in den Indikationen Lungenkrebs, Epilepsie und bei einer seltenen Immundefektkrankheit zum Einsatz.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 09.07.2026  08:00 Uhr

Orphan Drug bei APDS

Mit Leniolisib (Joenja® 70 mg Filmtabletten, Pharming Technologies) kam ein Orphan Drug zur Behandlung des aktivierten Phosphoinositid-3-Kinase-Delta-Syndroms (APDS) bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 45 kg auf den deutschen Markt.

APDS ist eine seltene primäre Immunschwäche, von der etwa ein bis zwei Menschen pro Million betroffen sind. Bei APDS führen Varianten bestimmter Gene zur Hyperaktivität des sogenannten PI3Kδ-(Phosphoinositid-3-Kinase-Delta-)Signalwegs. Eine ausgewogene Signalgebung im PI3Kδ-Pfad ist aber für die physiologische Immunfunktion unerlässlich. Wenn dieser Pfad hyperaktiv ist, reifen die Immunzellen nicht richtig aus und funktionieren nicht ordnungsgemäß, was zu Immunschwäche und Dysregulation führt. Menschen mit APDS leiden an schweren, rezidivierenden Infektionen der Atemwege, Bronchiektasen, Lymphoproliferation, Autoimmunität und Enteropathie.

Leniolisib hemmt PI3Kδ selektiv durch Blockierung der aktiven Bindungsstelle von PI3Kδ. Dadurch kommt es schlussendlich zur Normalisierung der Fehlregulation von B- und T-Zellpopulationen.

Die empfohlene Dosis beträgt 70 mg Leniolisib zweimal täglich im Abstand von etwa zwölf Stunden. Die Anwendung von Leniolisib bei Patienten mit mittelstarker oder starker Beeinträchtigung der Leberfunktion wird nicht empfohlen.

In Sachen Wechselwirkungen gibt es einiges zu beachten: Die gleichzeitige Anwendung von Leniolisib mit starken CYP3A4-Inhibitoren ist zu vermeiden. Wenn die Anwendung starker CYP3A4-Inhibitoren unumgänglich ist, wird empfohlen, Joenja zwei Tage vor der Gabe des CYP3A4-Inhibitors abzusetzen. Patienten können die Behandlung mit dem neuen Arzneimittel sieben Tage nach Absetzen des CYP3A4-Inhibitors wieder aufnehmen.

Die gleichzeitige Anwendung mit CYP3A4-Induktoren kann zu einer verminderten Leniolisib-Exposition und damit zu einer verminderten Wirksamkeit führen. Daher ist die gleichzeitige Anwendung von Leniolisib mit starken und mittelstarken CYP3A4-Induktoren zu vermeiden.

Die gleichzeitige Anwendung mit BCRP-Inhibitoren kann wiederum eine erhöhte Leniolisib-Exposition und damit ein erhöhtes Risiko von Nebenwirkungen bedingen. Daher ist die gleichzeitige Gabe von Leniolisib mit starken BCRP-Hemmern auch zu vermeiden. Ebenso soll der neue Wirkstoff nicht mit UGT1A1-Substraten angewendet werden. Auch die gleichzeitige Anwendung von Leniolisib mit Arzneimitteln, die Substrate von OATP1B1, OATP1B3 und BCRP sind, gilt es zu vermeiden.

Lokal wirkende Antazida, etwa Antazida auf Magnesium-, Aluminium- und Calciumbasis sowie Natriumbicarbonat, sollten Patienten zwei Stunden vor oder zwei Stunden nach der Gabe von Leniolisib einnehmen. Sehr häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Erbrechen, Haarausfall, Gewichtszunahme und eine verminderte Anzahl von Neutrophilen.

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Joenja und für eine Woche nach der letzten Dosis hochwirksame Verhütungsmethoden anwenden. Tierexperimentelle Studien ergaben, dass Leniolisib zu Schädigungen des Fötus führen kann. Vor Beginn der Behandlung muss bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter der Schwangerschaftsstatus überprüft werden. Das neue Medikament wird während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine zuverlässigen Verhütungsmethoden anwenden, nicht empfohlen. Das Stillen sollten Frauen während der Behandlung unterbrechen.

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa