| Verena Schmidt |
| 14.08.2026 16:00 Uhr |
Vorsicht walten lassen müsse man bei Algen und Algenprodukten, rät die DGE und auch der Arbeitskreis Jodmangel (AKJ). »Meeresalgen sind zwar von Natur aus besonders reich an Jod, die enthaltenen Mengen können jedoch erheblich schwanken. Sie sind also keine verlässliche Jodquelle für den täglichen Verzehr«, sagt Professor Thomas Remer, Ernährungswissenschaftler und stellvertretender Vorsitzender des AKJ, in einer Pressemeldung des Vereins. »Wer Algen oder Algenprodukte konsumiert, sollte unbedingt auf ausgewiesene Jodgehalte und empfohlene Verzehrmengen achten.«
Getrocknete Algenprodukte wie Kombu, Wakame oder Hijiki können sehr hohe Jodmengen enthalten und bereits in üblichen Verzehrmengen die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlene Tageshöchstmenge von 500 µg Jod für Erwachsene überschreiten. Das kann bei langjährigem Jodmangel eine Funktionsstörung der Schilddrüse auslösen, und auch bei Morbus Basedow, einer Hashimoto-Thyreoiditis oder heißen Knoten kann die Aufnahme großer Mengen Jod gefährlich sein.
Denn wenn über viele Jahre ein Jodmangel mit Struma besteht, bilden sich häufig autonome Areale in der Schilddrüse – heiße Knoten, die unkontrolliert Hormone produzieren, wenn Jod verfügbar ist. Nimmt ein Mensch also plötzlich viel Jod auf, sei es zum Beispiel über Algen oder hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel, können diese autonomen Knoten plötzlich eine große Menge an T3 und T4 ausschütten. Das kann zu einer Überfunktion (Hyperthyreose) mit Symptomen wie Gewichtsabnahme, Nervosität, Schlafstörungen, schnellem und unregelmäßigem Herzschlag führen. Auch vermehrtes Schwitzen, Durchfall, Durst und eine abnehmende Leistungsfähigkeit sind typisch.
Zur Behandlung verschreibt der Arzt meist Thyreostatika wie Thiamazol und Carbimazol, die die Produktion und Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen hemmen. Reicht die medikamentöse Therapie nicht aus, kann überaktives Schilddrüsengewebe per Radiojodtherapie oder Thermoablation zerstört werden. In bestimmten Fällen kann auch eine Operation notwendig sein, bei der die Schilddrüse teilweise oder vollständig entfernt wird.
Wichtig für die Beratung: Bei einer normalen abwechslungsreichen Ernährung braucht sich niemand Sorgen zu machen, zu viel Jod aufzunehmen. Auch für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen sind jodhaltige Lebensmittel und jodiertes Speisesalz in normalen Mengen unkritisch. Das gilt auch für Menschen mit einer Hashimoto-Thyreoiditis – auch wenn davor fälschlicherweise oft gewarnt wird.
Eine Begrenzung der Jodaufnahme ist nur bei Menschen mit einer Hyperthyreose bei Schilddrüsenautonomie und aktivem Morbus Basedow – einer Autoimmunerkrankung, die ebenfalls zu einer Hyperthyreose führt – sinnvoll. Algenprodukte, jodhaltige Arzneimittel sowie Jodtabletten sollten dann gemieden werden. Auch jodhaltige Kontrastmittel für die Röntgenuntersuchung dürfen bei den Betroffenen nicht eingesetzt werden.
Zum Schutz bei einem radioaktiven Notfall stehen spezielle, sehr hoch dosierte Kaliumjodidtabletten (65 mg pro Tablette) zur Verfügung. Sollte es zu einem Reaktorunfall kommen, verteilen die Behörden die Tabletten an die Bevölkerung. Damit soll eine sogenannte Jodblockade erzeugt werden: Eine einmalig eingenommene hohe Joddosis soll die Schilddrüse sättigen, sodass sie kein radioaktives Jod aus der Umgebung aufnehmen kann. Denn das würde die Wahrscheinlichkeit für Schilddrüsenkrebs stark erhöhen, besonders bei Kindern und Jugendlichen.
Erwachsene über 45 Jahre müssen die Jodtabletten im Notfall nicht einnehmen. Denn mit steigendem Alter treten häufiger Stoffwechselstörungen wie Autonomien der Schilddrüse auf, und das erhöht die Gefahr von Nebenwirkungen der Jodblockade. Zudem nimmt mit steigendem Alter die Wahrscheinlichkeit ab, an strahlungsbedingtem Schilddrüsenkrebs zu erkranken.