| Verena Schmidt |
| 14.08.2026 16:00 Uhr |
Wenn es um die Schilddrüse geht, steht die Versorgung mit Jod klar im Fokus. Aber das kleine Organ braucht auch noch andere wichtige Nährstoffe, um gut zu funktionieren (siehe auch Tabelle). So ist etwa das Spurenelement Selen für die Wirkung der Schilddrüsenhormone essenziell, denn Selen ist Bestandteil der Deiodinasen, also der Enzyme, die das weniger aktive T4 in das wirksamere T3 umwandeln. Daneben ist Selen auch Teil antioxidativer Enzyme, etwa der Glutathionperoxidase, die die Schilddrüse vor oxidativem Stress schützen.
Fisch und Eier sind gute Quellen für Selen. Das Spurenelement ist Bestandteil wichtiger Enzyme im Schilddrüsenstoffwechsel. / © Getty Images/Nazar Abbas Photography
Frauen sollten täglich etwa 60 µg und Männer etwa 70 µg Selen aufnehmen. Gute Selenquellen sind Fleisch und Eier sowie Fisch. Da die Böden in Europa selenarm sind, enthalten hier produzierte pflanzliche Lebensmittel wenig Selen. Als besonders selenreich gelten Paranüsse; sie sollten aufgrund eines erhöhten Radiumgehalts aber nicht in großen Mengen verzehrt werden.
Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen wie einer Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow wird häufig auch zur Einnahme von Vitamin D geraten. Einige Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass bei Menschen mit einer mangelhaften Vitamin-D-Versorgung die Zahl an Antikörpern gegen ein zentrales Enzym im Schilddrüsenstoffwechsel, die thyreoidale Peroxidase (TPO-AK), erhöht ist. Auch besteht gerade bei Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion infolge einer Hashimoto-Thyreoiditis häufig ein Vitaminmangel.
Zwar gibt es keine direkten wissenschaftlichen Belege, dass Vitamin D speziell bei Schilddrüsenerkrankungen positive Effekte zeigt. Doch den Vitamin-D-Status beim Hausarzt bestimmen zu lassen und eine Unterversorgung gegebenenfalls durch Supplemente auszugleichen, kann auch bei Schilddrüsenerkrankungen sinnvoll sein.
| Nährstoff | Bedeutung | Quellen in der Nahrung | |
|---|---|---|---|
| Selen | Bestandteil von Deiodinasen und antioxidativer Enzyme | In Europa vor allem Fisch, Fleisch, Eier | auch in Kohl- und Zwiebelgemüse, Pilzen, Hülsenfrüchten und Paranüssen |
| Eisen | Für Funktion der Thyreoperoxidase (TPO) wichtig. Dieses Enzym katalysiert den Einbau von jod in die Vorstufen der Schilddrüsenhormone. | Fleisch, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte | |
| Zink | Spielt wahrscheinlich eine Rolle bei der Umwandlung von T4 in T3 sowie für deren Bindung an den Rezeptoren | Fleisch, Käse, Nüsse, Linsen, Haferflocken, Vollkornprodukte | |
| Tyrosin | Die Aminosäure bildet mit Iod das Grundgerüst der Schilddrüsenhormone. Sie wird meist ausreichend über die Nahrung aufgenommen | der Körper kann Tyrosin auch aus Phenylalanin selbst herstellen. | Käse, Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Haferflocken, Nüsse |
| Vitamin A | beeinflusst die Regulation der Schilddrüsenhormone und ihrer Rezeptoren | Leber (Kalbs- oder Schweineleber), Eigelb, fetter Seefisch, Butter und Käse.Pflanzlich (Beta-Carotin): Karotten, Süßkartoffeln, Kürbis, Paprika, Spinat, Grünkohl und Feldsalat. | |
| Vitamin D | nicht direkt an der Hormonproduktion beteiligt. Studien zeigen mögliche Zusammenhänge zwischen einem Mangel und Autoimmunerkrankungen wie der Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow, ob eine Supplementierung hilft, ist unklar | Vor allem Bildung in der Haut durch Sonnenexposition | ansonsten fettreicher Fisch, Eigelb, Champignons |