| Isabel Weinert |
| 21.10.2026 16:00 Uhr |
Die Grenzen zwischen starker Nervosität und einer Angststörung sind fließend und liegen vor allem in Unterschieden der Intensität und dem Ausmaß der Beschwerden und damit darin, wie stark sie den Alltag beeinträchtigen.
Eine Angststörung zeichnet sich durch unverhältnismäßig starke Symptome aus, die den ganzen Menschen überwältigen können und ihm das Gefühl geben, einer Situation vollständig ausgeliefert zu sein. Die Symptomatik gestaltet sich derart, dass sich Betroffene häufig zurückziehen, bestimmte Situationen meiden und alles so ausrichten, dass möglichst keine Attacke auftritt.
Im Gegensatz dazu ist die dauernde oder häufige Nervosität zwar ebenfalls sehr unangenehm, lässt es aber in der Regel zu, dass Betroffene ihren Alltag meistern. Im Falle der larvierten Depression übererfüllen sie ihre Aufgaben sogar häufig und engagieren sich ganz besonders stark.
Wer Pech hat, sorgt im Alter von 40 bis 60 auf der einen Seite für die heranwachsenden Kinder und auf der anderen für die unterstützungsbedürftigen Eltern. Experten nennen das auch Sandwich-Position. Nicht zu vergessen die Berufstätigkeit. Die vielfältigen Aufgaben verlangen oft Frauen besonders viel ab, Zeit zur Regeneration bleibt kaum.
Scrollen Menschen täglich lange Zeit am Handy, kann das ihr Nervositätslevel auch außerhalb der Scroll-Zeit erheblich steigern. Forschende sprechen von »digitalem Stress«. Dabei registriert das vegetative Nervensystem die durch das Scrollen ausgelöste Flut an Reizen als Alarm.
Der Sympathikus ist permanent aktiv und versetzt den Organismus in Daueranspannung, selbst wenn die angeschauten Inhalte nicht negativ sind. Durch die durchs Dauerscrollen verursachte Sympathikusdominanz gelangt der Geist deutlich schwerer in einen Zustand der Entspannung.
Die Summe der Stressoren mündet in einer Dauerstimulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse als Stressachse des menschlichen Organismus. Der präfrontale Kortex und der Hippocampus, die sie normalerweise in Schach halten, leiden unter der hohen Konzentration an Stresshormonen. Rezeptoren im Gehirn reagieren weniger auf die ständig erhöhten Cortisolmengen. Das Gehirn registriert dann einen Mangel des Hormons und heizt die Synthese in der Nebennierenrinde weiter an. Schlimmstenfalls mündet das Geschehen in einen Zusammenbruch der körpereigenen Möglichkeiten, Stress unterschiedlichster Art erfolgreich abzupuffern.