»Allgemein kann man sagen: Träume greifen Themen auf, die uns tagsüber beschäftigen und stellen diese dann in einer emotional dramatisierten Form dar«, sagt Schredl. Der Schlafforscher vergleicht Albträume mit Schmerzen: »Keiner wird sagen, sie sind angenehm. Aber sie haben eine Funktion und zeigen, dass es sinnvoll ist, etwas zu tun. Beide sind sozusagen ein wichtiges Signal, um aktiv an bestimmte Themen heranzugehen.«
Auch Helga Odendahl sieht in den nächtlichen Bildern ein Zeichen des Unbewussten: »Meine Träume machen mich auf etwas aufmerksam, oft auch auf Gefühle, die ich tagsüber verdränge. Aber meine Psyche produziert diese Träume, damit ich sie wahrnehme und fühle.«
Wer etwa oft träumt, verfolgt zu werden, hat womöglich eine unangenehme Aufgabe oder Begegnung vor sich, die immer wieder aufgeschoben wird. »Die übertriebene Version im Traum ist dann das Monster oder ein unheimlicher Angreifer, der mich verfolgt«, sagt Michael Schredl. Wer im Traum nackt vor anderen steht und sich dafür schämt, den beschäftigt womöglich die Frage: Was denken andere Menschen von mir?
Traumforscher gehen heute davon aus, dass sich die Anfälligkeit für Albträume mit einem sogenannten Veranlagungs-Stress-Modell erklären lässt: Manche Menschen bringen – teils genetisch bedingt – eine größere Empfindlichkeit für Albträume mit. Daneben spielen wahrscheinlich auch Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle. Ob Albträume sich dann tatsächlich häufen, hängt aber auch davon ab, wie viel Stress jemand erlebt.
Michael Schredl verweist auf die Forschung des Psychiaters Ernest Hartmann, wonach Personen mit sogenannten dünnen Grenzen häufiger Albträume haben als andere. »Diese Personen sind kreativ, empathisch, offen, sensibel und üben häufig ungewöhnliche Berufe aus, allerdings können sie sich gegen Stress schlecht abgrenzen«, sagt er.
Helga Odendahl zufolge sind es häufig Stress, Ängste, Sorgen und Konflikte, die einen akut beschäftigen, die Albträume auslösen. Aber auch traumatische und belastende Erlebnisse wie Gewalt- oder Verlusterfahrungen können schlimme Träume hervorrufen.
»Menschen sind völlig unterschiedlich, wie sie damit umgehen können: Es hat nicht nur damit zu tun, ob man mit einer bestimmten Dünnhäutigkeit geboren wurde, sondern auch mit den eigenen Ressourcen und wie vulnerabel ich bin«, so die Psychologin. Menschen, die gute und sichere Beziehungen haben, die sich aufgehoben fühlen, sind meist weniger von Albträumen betroffen.