| Verena Schmidt |
| 22.05.2026 16:00 Uhr |
Sonnenschutzpräparate sollen die Haut hauptsächlich vor der schädlichen ultravioletten (UV-)Strahlung abschirmen. Moderne Zubereitungen bieten gleichermaßen Schutz vor UV-A- und UV-B-Strahlung: UV-B-Strahlung ist kurzwellig und energiereich. Sie ist verantwortlich für den Sonnenbrand und langfristig für das Entstehen von Hautkrebs. Die längerwellige UV-A-Strahlung, die mit mehr als 90 Prozent den größten Anteil des UV-Lichts ausmacht, dringt dagegen in tiefere Hautschichten ein und erzeugt die typische Pigmentierung, also die Bräunung, der Haut.
Kirkamm betont: »Gerade UV-A-Strahlung spielt eine zentrale Rolle bei der lichtbedingten Hautalterung, und es gibt gute Daten dafür, dass regelmäßiger Sonnenschutz diesen Prozess verlangsamen kann. Täglicher UV-Schutz im Gesicht ist aus dermatologischer Sicht sehr sinnvoll. Wer Hautalterung ernsthaft vorbeugen will, kommt an konsequentem Lichtschutz nicht vorbei.«
In der Praxis würden Tagescremes mit Lichtschutzfaktor (LSF) jedoch oft zu dünn aufgetragen und ungleichmäßig verteilt, berichtet er. Der angegebene Lichtschutzfaktor werde dadurch häufig nicht erreicht. »Außerdem ist der tatsächliche UV-A-Schutz bei vielen Tagescremes für den Verbraucher oft nicht so klar erkennbar.« Viele Menschen glaubten irrtümlich, dass Sonnenschutz nur im Urlaub oder am Strand relevant sei, so Kirkamm. Tatsächlich entstehe ein erheblicher Teil der UV-Exposition jedoch im ganz normalen Alltag – beim Spazierengehen, im Café oder auch bei längeren Autofahrten. Für den Büroalltag könne eine Tagespflege mit LSF deshalb ein Einstieg sein. »Sobald man aber länger draußen ist – also im Sommer, im Urlaub oder beim Sport –, reicht das in der Regel nicht mehr aus. Dann ist ein klassisches Sonnenschutzprodukt die deutlich bessere Wahl.«
In verschiedenen Medien war zuletzt der Rat zu lesen, dass man keine Tagescreme mit Lichtschutzfaktor unter einer Sonnencreme verwenden sollte, da der erste aufgetragene LSF für den Schutz entscheidend sei. Eine nach der Pflegecreme aufgetragene Sonnencreme soll den Schutz dann nicht weiter erhöhen können.
Experten halten das allerdings für falsch. Zwar könne man die beiden LSF-Werte nicht einfach addieren, aber der Schutz erhöhe sich durch eine zusätzlich aufgetragene Sonnencreme durchaus, sagte Apotheker Professor Dr. Rolf Daniels von der Universität Tübingen vor Kurzem im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Man sollte jedoch darauf achten, beide Produkte nicht unmittelbar nacheinander aufzutragen; besser erst die Tagescreme und nach etwa 10 bis 15 Minuten die Sonnencreme, da die Inhaltsstoffe der beiden Produkte miteinander interagieren und etwa die Penetration der Filtersubstanzen erhöhen könnten.