Die Haut in ihrer eigenen Regenerationsfähigkeit zu unterstützen, ist auch die Idee hinter dem Schlagwort Collagen Banking. »Es beschreibt alle vorsorglichen Maßnahmen, um den Vorrat auf unserem Kollagen-Konto möglichst hochzuhalten – damit quasi unsere körpereigene Bank der Prozesse gegen Hautalterung gut gefüllt ist«, erklärt Professorin Dr. Christiane Bayerl von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Helios Kliniken Wiesbaden.
Kollagen – genau genommen gibt es unterschiedliche Kollagentypen – ist das wichtigste Strukturprotein unseres Körpers, das vielen Körperteilen ihre Festigkeit gibt. In der Haut sorgt Kollagen für die Zugfestigkeit des Bindegewebes. Spiralförmig aufgebaut und hauptsächlich aus den drei Aminosäuren Glycin, Lysin und Prolin bestehend, bildet es eine Art stützendes Gerüst.
Das Konto spart man am besten schon dann an, wenn die Zeichen des Abbaus noch nicht erkennbar sind; der Alterungsprozess der Haut setzt nämlich bereits in den Zwanzigern ein. »Ab Ende 20 nimmt die Anzahl der Fibroblasten – also die Bindegewebszellen, die das Stützprotein Kollagen bilden – ab. Dann verliert die Haut an Spannung und Elastizität. Beim Collagen Banking geht es darum, die noch aktiven Fibroblasten zu stimulieren, mehr Kollagen zu produzieren, um den sinkenden Kollagenspiegel auszugleichen«, so die Dermatologin, die sich auch in der Gesellschaft für Dermokosmetik engagiert.
Neben genetischen Faktoren wird dieser Prozess durch äußere Einflüsse wie Sonnenlicht, Rauchen und Umweltschadstoffe vorangetrieben. Dabei ist UV-Strahlung der wesentliche extrinsische Treiber für Hautalterung. »Wer deshalb konsequent Sonnenschutz betrieben hat, hat ein höheres Ausgangsniveau an körpereigenem Kollagen als die, die keine Vorsichtsmaßnahmen ergriffen haben«, betont die Hautexpertin die Bedeutung von konsequentem Sonnenschutz.
Was hält sie in diesem Zusammenhang von Tagescremes, die den Lichtschutzfaktor schon integriert haben? »Man könnte meinen, sie seien besser als gar nichts. Doch Achtung: Wenn der UV-A-Schutz nicht eigens ausgelobt ist – UVA in einem Kreis –, enthalten sie oft nur einen garantierten Schutz gegen UV-B-Strahlung. Damit erzielen sie nur einen Teilschutz gegen die gefährlichen Lichtstrahlen.« In der Tat: In der Europäischen Union garantiert dieses Siegel, dass der Schutz vor UV-A-Strahlen mindestens ein Drittel des angegebenen Lichtschutzfaktors beträgt. Bei einer Sonnencreme mit LSF 30 muss der Schutz vor UV-A-Strahlen also mindestens bei einem Wert von 10 liegen.
Zudem zeige die Erfahrung, dass LSF-haltige Tagescremes – eher noch als reine Sonnenschutzprodukte – oft zu dünn aufgetragen werden. Der ausgelobte Lichtschutzfaktor könne dann freilich nicht erreicht werden, so Bayerl. Nach aktuellem Kenntnisstand ist das gesamte Spektrum von UV-A-, UV-B- sowie hochenergetischer violetter Strahlung (HEV) bis zur Infrarot-A-Strahlung gefährlich und kann Hautschäden bewirken.
In verschiedenen Medien war zuletzt der Rat zu lesen, dass man keine Tagescreme mit Lichtschutzfaktor (LSF) unter der Sonnencreme verwenden sollte, da der erste aufgetragene LSF für den Schutz entscheidend sei. Eine nach der Pflegecreme aufgetragene Sonnencreme könne also den Schutz nicht weiter erhöhen. Für den Technologen Daniels ist klar: »Aus meiner Sicht ist das Unsinn.«
Zwar könne man die beiden LSF-Werte nicht einfach addieren, aber der Schutz erhöhe sich durch eine zusätzlich aufgetragene Sonnencreme durchaus. Apotheker Daniels rät jedoch dazu, beide Formulierungen nicht unmittelbar hintereinander aufzulegen: erst die Tagescreme und etwas zeitversetzt – nach etwa 10 bis 15 Minuten – die Sonnencreme. Der zeitliche Abstand sei wichtig, da die Inhaltsstoffe der beiden Produkte miteinander interagieren könnten, wodurch die Filtersubstanzen tiefer in die Haut penetrieren könnten. Die Schutzleistung werde dadurch aber nicht beeinträchtigt.
Zudem bemängelt die Dermatologin die zu niedrigen Lichtschutzfaktoren in Tagescremes von oft nur einem Wert von 10 oder 15. »Das reicht für einen Bürotag oder im Frühling bei geringem UV-Index, ist aber zumindest für den Urlaub oder in der Freizeit, wenn wir stärkerer Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, zu wenig. Dann muss der Lichtschutzfaktor mindestens 50 betragen.«