Immer mehr selbsternannte »Skinfluencer« sind auf Social Media aktiv – und das hat Auswirkungen auf die dermatologische Sprechstunde, berichtete Professorin Dr. Claudia Borelli von der Hautklinik in Tübingen bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie im vergangenen Jahr. Das Problem: Der meiste Content werde dabei von den am wenigsten medizinisch ausgebildeten Personen eingestellt. »Fachkräfte sind leider nur für einen ganz kleinen Teil der Posts verantwortlich.«
So würden die meisten Akne-Informationen (gemessen an der Anzahl der Hashtags) von nicht dermatologisch ausgebildeten Influencern verbreitet. Dabei gehe es zwar passend zur Indikation häufig um Salicylsäure, Niacinamid, Sonnenschutz, Glykolsäure oder Vitamin C, stellte sie eine Untersuchung vor. Doch entscheidende Anwendungshinweise fehlten meist. In ihrer Sprechstunde für dermatologisch-ästhetische Behandlungen an der Hautklinik Tübingen sieht sie sich dann mit den Folgen von Kosmetiktrends konfrontiert. Ganz oben rangierten derzeit overfilled faces und Hautprobleme durch Layering.
Die meisten Informationen zum Thema Haut werden in sozialen Netzwerken von medizinischen Laien weitergegeben. Das bleibt nicht unbedingt ohne Nebenwirkungen. / © Getty Images/Mariia Vitkovska
Bei Hyaluronsäure-Injektionen habe mittlerweile bereits ein Umdenken stattgefunden. »Vor Kurzem wurden sie noch sehr gehypt, weil sie ja ach so natürlich sind. Jetzt müssen wir dagegen Aufklärungsarbeit leisten. Mittlerweile haben wir gelernt, dass Hyaluronsäure nur in geringen Mengen gezielt zu injizieren ist. Denn ihr Effekt potenziert sich, Volumengewinn wird über die Zeit erzielt, wie man bei langjähriger Kundschaft sieht. Zu hoch konzentrierte Unterspritzungen bewirken dagegen die overfilled faces«, informierte die Oberärztin. »Dieses Fachwissen ist nichts, was uns die Firmen kommunizieren, sondern das sind Erfahrungen, die durch nichts zu ersetzen sind.« Den Schmelz der Jugend zu erhalten, sei nicht so einfach wie das Internet suggeriere.
Was sagt sie zur angesagten Layering-Methode, bei der die Haut Schicht für Schicht mit den unterschiedlichsten Hautpflegeprodukten versorgt wird, um eine Glass Skin zu bekommen? »Eine typische Reihenfolge umfasst bei diesem Konzept die doppelte Reinigung mit einem ölbasierten und einem wasserbasierten Präparat, Toner, Essenz, Seren, Augencreme, Feuchtigkeitspflege und abschließend einen Sonnenschutz. Grundsätzlich ist hier aber zu hinterfragen, was davon sinnvoll ist. Gerade die junge Generation braucht es nicht so reichhaltig. Oft ist dann eine Akne cosmetica oder eine periorale Dermatitis die Folge.«
Um Zugang zu dieser Patientengruppe zu finden, empfahl die Dermatologin, Trends von Social Media zumindest zu kennen. Das helfe sowohl bei der Patientenberatung in der Sprechstunde als auch bei der Kundenansprache in der Apotheke. »Das heißt nicht, dass man bei Trends immer vorne mit dabei sein muss. Aber wir Hautärzte und die Apothekenteams erreichen die Jungen sonst nicht, wenn wir gar nicht auf Social Media unterwegs sind.« Den Tipp ihres spanischen Kollegen Dr. Mario Toledo Lelevier könne sie nur unterstreichen: »Social Media needs more science, not more noise.« Dermariomx hat mehr als eine Millionen Follower bei Instagram und 400.000 bei Facebook.
Borelli empfahl, den Patienten klare Behandlungsanweisungen an die Hand zu geben. Es sei hilfreich, den Verbraucher darüber aufzuklären, was wissenschaftlich erwiesen ist und was nicht und auf mögliche Quellenhinweise zu achten. Und es lohne sich, beim Patienten nachzuhaken, »was sonst noch substituiert oder konsumiert wird, also etwa Kreatin oder Proteinpulver«. Gerade bei Akne sei der Trend zu proteinreicher Ernährung mit Linsennudeln, Skyr und Fleisch nicht gerade förderlich. Dann lasse sich das Hautbild selbst mit Isotretinoin nur schwer bessern.