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Neueinführungen
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Drei Medikamente, vier neue Wirkstoffe

Im August kamen vier neue Wirkstoffe auf den deutschen Markt. In einem Mittel gegen eine seltene genetische Erkrankung sind mit Doxecitin und Doxribtimin gleich zwei neue Wirkstoffe enthalten. Nummer drei ist Plozasiran, ein neues Mittel gegen eine seltene Fettstoffwechselstörung. Das August-Quartett vervollständigt der Lungenfibrose-Arzneistoff Nerandomilast.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 19.08.2026  12:00 Uhr

Achtung bei Kombination mit Pirfenidon

Die Anwendung zusammen mit Pirfenidon, einem anderen gängigen Mittel bei Lungenfibrose, reduzierte die Exposition gegenüber Nerandomilast um etwa die Hälfte. Bei Patienten, die Pirfenidon anwenden, beträgt die empfohlene Dosis 18 mg zweimal täglich; sie darf nicht auf 9 mg zweimal täglich reduziert werden. Die Behandlung von Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung oder terminaler Niereninsuffizienz wird nicht empfohlen.

Patienten mit Schluckbeschwerden können die Tabletten auch in ein Glas mit etwa 100 ml stillem Trinkwasser geben und für 15 bis 20 Minuten regelmäßig umrühren. Die entstandene Suspension müssen sie innerhalb von zwei Stunden nach dem Anrühren trinken. Das Glas sollte danach mit etwa 100 ml Wasser gespült werden; diese Flüssigkeit müssen die Patienten ebenfalls trinken, um die vollständige Einnahme der Dosis sicherzustellen. Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen sind Durchfall und Gewichtsverlust.

PTA und Apotheker können Frauen im gebärfähigen Alter darauf hinweisen, während der Behandlung eine Schwangerschaft zu vermeiden und zuverlässige Verhütungsmethoden anzuwenden. Die Anwendung von Jascayd bei Schwangeren sowie bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen. Das Stillen sollen Frauen während der Behandlung unterbrechen.

Neuer Triglyceridsenker

Plozasiran (Redemplo® 25 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze, Arrowhead) ist – als Ergänzung zu Ernährungsmaßnahmen – eine neue Therapieoption zur Senkung des Triglyceridspiegels bei erwachsenen Patienten mit dem seltenen familiären Chylomikronämie-Syndrom. Genmutationen verursachen beim FCS eine Funktionsstörung des Enzyms Lipoproteinlipase (LPL). Betroffene können dadurch Chylomikronen, Lipoproteine, die überwiegend aus Triglyceriden bestehen, nicht abbauen. Diese reichern sich dann im Blut an. Typische Symptome sind Bauchschmerzen, Fettablagerungen unter der Haut und eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse.

Mit Olezarsen und Volanesorsen kamen in den vergangenen Jahren bereits zwei neue Wirkstoffe für die Behandlung des FCS auf den Markt. Beides sind Antisense-Oligonukleotide, die an die mRNA von Apolipoprotein C-III (ApoC-III) binden. Dadurch wird die Translation des Proteins und damit dessen Produktion verhindert. Wird ApoC-III nicht mehr produziert, ermöglicht das im Körper den Chylomikronenabbau über einen LPL-unabhängigen Weg. Als Folge sinkt der Triglyceridspiegel im Blut.

Plozasiran hat einen anderen Wirkmechanismus: Der Arzneistoff wirkt über die sogenannte RNA-Interferenz (RNAi). Es handelt sich um eine small interfering RNA (siRNA), ein sogenanntes Siran. Zentraler Bestandteil des RNAi-Signalwegs ist der Proteinkomplex RISC (RNA-induced silencing complex). Im Zellinneren bindet das Siran an RISC. Erkennt dieser Verbund aus siRNA und RISC nun mRNA, die komplementäre Abschnitte zur siRNA besitzt, kommt es zum RISC-vermittelten Abbau der mRNA. In diesem Fall schaltet Plozasiran die für ApoC-III-codierende mRNA aus, wodurch auch an dieser Stelle das Protein nicht mehr produziert wird und der Triglyceridspiegel letztlich sinkt.

Patienten verabreichen sich Plozasiran alle drei Monate subkutan. Die empfohlene Dosierung beträgt jeweils 25 mg. Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen sind Hyperglykämie, Kopfschmerz, Übelkeit und Reaktionen an der Injektionsstelle.

Plozasiran wurde bei Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Leberfunktionsbeeinträchtigung nicht untersucht und darf bei diesen Patienten nur angewendet werden, wenn der erwartete klinische Nutzen das potenzielle Risiko überwiegt. Ebenso ist es bei schwerer Nierenfunktionsbeeinträchtigung oder terminaler Niereninsuffizienz.

Als Vorsichtsmaßnahme sollte die Anwendung von Plozasiran bei Schwangeren vermieden werden. Bei Stillenden ist zu entscheiden, ob das Stillen unterbrochen oder ob auf die Behandlung mit Plozasiran verzichtet wird. Redemplo ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern. Das Medikament darf einmalig für einen Zeitraum von bis zu 30 Tagen bei Raumtemperatur (15 bis 25 °C) gelagert werden.

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